Werkstattgespräche 2018

Berufliche Bildung 4.0 - Digitalisierung ist Motor der Entwicklungszusammenarbeit

„Berufliche Bildung 4.0“ – Digitalisierung ist Motor der Entwicklungszusammenarbeit

Ob und wie der digitale Wandel auch die Berufliche Bildung in Schwellen- und Entwicklungsländern tiefgreifend verändern kann, diskutierten rund 90 nationale und internationale Teilnehmer aus Unternehmen, Entwicklungsorganisationen, Verbänden und Institutionen am Freitag, 9. März 2018 bei den Werkstattgesprächen zur Beruflichen Bildung auf dem Don Bosco Campus.

Was bedeuten digitale Innovationen für die Methodik, angestrebte Qualifikationen und die Reichweite von Maßnahmen und Programmen der beruflichen Bildung? Was bedeutet Digitalisierung für die Arbeitsmärkte in den Entwicklungsländern? Welche Wirkung haben sie auf die internationalen Systeme beruflicher Bildung? Beispiel Landwirtschaft: Welchen Bedarf an neuen Kompetenzen in existierenden Berufsbildern gibt es? Gibt es ganz neue Berufsprofile, die es zu entwickeln gilt? Wie können Projekte in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu einer verbesserten Berufsbildung in den Partnerländern beitragen?

Dr. Susanne Nonnen, SES, fand die passenden einführenden Worte zur Veranstaltung: Neue Technologien bedingen neue Berufsbilder und neue Ausbildungsinhalte.

Martin J. Wilde, Don Bosco Mondo, gab einen Impuls zum Josefstag, dem Gedenktag an den heiligen Josef, Schutzpatron der Handwerker.

Frau Dr. Katrin Bornemann und ihr Team vom BMZ diskutierten mit den Anwesenden über Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für Arbeitsmärkte.

Chance Digitalisierung

In ihrer Begrüßung forderte Dr. Susanne Nonnen, Geschäftsführerin des Senior Experten Service, dass durch die Digitalisierung die Schere zwischen Arm und Reich nicht größer werden dürfe. „Industrie 4.0 braucht Berufliche Bildung 4.0. Konkret heißt das: Neue Technologien bedingen neue Berufsbilder, neue Ausbildungsinhalte sind die Konsequenz und damit dies funktionieren kann, müssen sich auch die Ausbilder verändern“, so die Sprecherin des Fachbeirats Berufliche Bildung bei Don Bosco Mondo.

Einigkeit bestand darin, dass der digitale Wandel und die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt einen erheblichen Einfluss auf die Berufliche Bildung haben werden. Technologien spielen im Alltag eine elementare Rolle und werden auch zu zentralen Faktoren in der Aus- und Weiterbildung: So ergänzen Webinare die Ausbildung vor Ort oder lösen Simulationen das reale Hantieren mit Geräten weitgehend ab. Automatisierung, IT Sourcing oder Plattformökonomie bergen immenses Potential, stellen die Akteure aber auch vor große Herausforderungen.
Dabei sehen sich die Beteiligten in der Entwicklungszusammenarbeit zunehmend in der Verantwortung, gemeinsam mit den lokalen Partnern stärker zu agieren, Bildung zu modernisieren, statt auf die weltweiten Entwicklungen schlicht zu reagieren. Noch sind viele digitale Projekte in der Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern nicht miteinander verzahnt, es fehlt oft der programmatische Ansatz.

„Die Chancen der Digitalisierung in der Arbeitswelt sind gerade für die Entwicklungsländer enorm: Wir können dank der Technik viel mehr Jugendliche erreichen, gerade in abgelegenen, ländlichen Gebieten. Und wir können dabei die digitalen Fähigkeiten der Jugendlichen, die mit Apps oder Simulationsprogrammen ganz natürlich umgehen, hervorragend nutzen. Aber dafür braucht es strategische, aufeinander abgestimmte Programme. Das sehen wir von Don Bosco Mondo gemeinsam mit unseren Partnern als dringliche Aufgabe“, fasste Martin J. Wilde, Geschäftsführer von Don Bosco Mondo, in seinem Schlusswort zusammen.

Handarbeiter werden zu Kopfarbeitern

Prof. Matthias Becker von der IBM Leibniz Universität Hannover präsentierte in seinem Workshop zum Schwerpunkt "Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Systeme Beruflicher (Weiter-)Bildung" die Digitalisierung als Industrialisierung 4.0 und wirft damit einen evolutionären Blick auf Mechanisierung und Automatisierung bis hin zur heutigen cyberphysischen Vernetzung. Wie in allen industriellen Entwicklungen treffen die Veränderungen vor allen Dingen ungelernte und geringer qualifizierte ArbeitnehmerInnen, die in den Fokus rücken und für die nächste Phase fit gemacht werden müssen. Sie müssen, in unterschiedlichen kulturellen Kontexten und mit verschiedenen Akteuren zusammen, auf ein Level von knowledge management gebracht werden, wobei Digitalisierung als Medium bzw. als Vehikel für Berufliche Bildung funktioniert.

Farmville in Ghana? – Digitale Landwirtschaft

Dr. Stephan Kunz von der KIAG und seine Kollegen der FöLa berichteten von ihrem Projekt in Ghana. Hier halfen digitale Bausteine dabei, Messwerte und Erfahrungen zu Saatgut, Erträgen und Qualität zu erfassen, Produzenten zu vernetzen, Transparenz zu schaffen und dynamisch zu analysieren. Auch hier muss die Zielgruppe und ihre analoge Arbeitsweise im Fokus bleiben.

Arbeitsmarkttrends: IT-Sourcing, Automatisierung und Online-Plattformen

Im Workshop des BMZ diskutierten drei Gruppen aktuelle Arbeitsmarkttrends: IT-Sourcing, Automatisierung und Online-Plattformen. Dr. Katrin Bornemann vom BMZ-Referat Bildung und Digitale Welt führte in das Thema ein und betonte, „die digitalen Klüfte sind groß, die Menschen in Entwicklungsländern müssen durch digitale Qualifikationen anschlussfähig gemacht werden“. Die Teilnehmenden analysierten die Herausforderungen für die berufliche Bildung und erarbeiteten konkrete Handlungsempfehlungen für die Entwicklungszusammenarbeit. Die berufliche Bildung muss digitale Fähigkeiten in die nationalen Curricula aufnehmen, um allen Menschen den Zugang zu neuen Arbeitsmöglichkeiten auf beispielsweise Online-Plattformen zu geben. Die Entwicklungszusammenarbeit muss das Unternehmertum im IT-Sektor sowie die Zusammenarbeit zwischen Bildungsinstitutionen und IT-Unternehmen vor Ort verbessern. Auf politischer Ebene geht es darum Arbeitsschutz und Arbeitsrechte sicherzustellen, damit digitale Arbeitstrends wie IT-Sourcing und Online-Plattformen die Arbeitsbedingungen nicht verschlechtern.

Herausforderung: Lebenslanges Lernen

Den Blick nach Deutschland wagte Wolfgang Marx, von Don Bosco Helenenberg, mit der Frage: Öffnet der Bedarf an digitalen Skills Chancen für marginalisierte Jugendliche? Ja, wenn sich alle Beteiligten auf lebenslanges Lernen und angepasste Angebote ermöglichen. Denn zum einen muss dezidiert betrachtet werden, um welche Veränderungen es durch Digitalisierung in welchen Berufszweigen geht und mit welcher Zielgruppe gearbeitet wird. Dafür müssen passende Angebote gemacht werden, die zeit- und kostenintensiv sein können, aber lohnenswerte Möglichkeiten öffnen.

Nicht Technik allein

Sehr praktisch und konkret wurde es bei Christoph Müssener von der Lucas-Nülle GmbH, der Einblicke in die Bedeutung und Einsatzszenarien von Lern-Software gab. E-Learning Systeme heute sind integrierte, cloudbasierte multimediale Plattformangebote, die deutliche Vorteile gegenüber gedruckten Lehrmaterialien haben. Sie sind aktuell, bewegt, leicht distribuierbar und integrieren spielerische Elemente. Allerdings sind sie in genau dieser Aktualität und hohen Kostenintensität anfällig und funktionieren nur in einer Kombination mit gutem Lehrpersonal und wenn sie die Zielgruppe im Fokus haben.

Win-Win Situationen schaffen

Susanne Sattlegger und Daniel Strube von der sequa GmbH fragten in ihrem Workshop danach, inwieweit Projekte zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft bereits zur Digitalisierung beitragen. Vor allem in Zusammenarbeit mit Unternehmen ist dies der Fall, um die Wettbewerbsfähigkeit zu (er)halten. Digitalisierung dient dabei vor allem der praktischen Erfassung von Reichweite, Qualitätssicherung und Kosten der Projekte. Das praktische Beispiel eines Blended Learning Projektes für Orthopädietechnikmeister in Tansania zeigt, dass Digitalisierung für berufsbegleitende Weiterbildungen echte Vorteile hat.

Melden Sie sich gern bei Fragen zu den Werkstattgesprächen!

Katharina Schründer


Telefon: 0228-5396537
E-Mail: werkstattgespraeche[at]don-bosco-mondo.de