Frauenpower mit Wow-Effekt

Dank des Women Empowerment Centers in Keela Eral entwickelt sich eine ganze Region 

 

In Tamil Nadu in Südindien sind Frauen – wie fast überall auf der Welt – der Kern der Familie. Auf ihren Schultern lastet viel Verantwortung und doch sind sie fast unsichtbar: Sie dürfen selten mitentscheiden. Viele Mädchen dürfen gar nicht erst zur Schule gehen und können dadurch ihre Talente und Fähigkeiten nicht voll entfalten. Don Bosco bietet den Frauen und Mädchen im Women Empowerment Center Unterstützung, bildet sie aus und weiter. Davon profitieren nicht nur ihre Ehemänner, sondern die gesamte Region. 

Indische Frauen – Menschen fast ohne Chance

Vor allem in ländlichen Regionen kommt zur familiären Verantwortung, die die Ehefrauen und Mütter schultern, noch viel mehr körperliche Arbeit dazu: Sie kümmern sich um den Haushalt, um die Kindererziehung, um Angehörige, um die Gesundheit aller, um die Bewahrung der Familienkultur, um das Vieh, um die Felder, um die Finanzen. Oft ist ihr „Arbeitstag“ 14-16 Stunden lang – und wird nicht als ein solcher angesehen. Mädchen müssen oft zu Hause bleiben und ihren Müttern helfen. Von Schule und Bildung können sie nur träumen, denn nur etwa jedes dritte Mädchen kann lesen und schreiben. Fatal ist, dass Frauen und Mädchen nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft gelten und damit viel Potential für eine nachhaltige Entwicklung nicht genutzt wird. Denn gut aus- und gebildet können Frauen viel zum Familieneinkommen, zur positiven Entwicklung der ländlichen Region und der Gemeinschaft beitragen. Denn die Probleme wachsen den Männern über den Kopf: Die Ernten werden immer schlechter, Böden trocknen aus. Es gibt weder Geld noch Know How, um mit modernen Anbaumethoden nachhaltig und ertragreicher zu wirtschaften. Viele von ihnen verdingen sich als Tagelöhner in den nächstgrößeren Städten. Aber auch das reicht kaum zum Überleben– und den zurückgebliebenen Frauen bleiben mangels Bildung eigene Einkommensquellen verschlossen.

Volle Fahrt auf dem Highway ins neue Leben

Das Women Empowerment Center in Keela Erla liegt verkehrsgünstig am National Highway, ist also leicht mit dem Bus zu erreichen und gut sichtbar. Auch das ist wichtig für das Selbstbewusstsein der Frauen. Noch wichtiger aber sind die rund 530 Selbsthilfegruppen, die sich hier nun regelmäßig treffen. Gut ausgestattet mit Lehrmaterialien und dank stabiler Stromversorgung auch mit modernen Schulungsmedien, lernen die in den Gruppen organisierten Frauen hier alles über Einkommen schaffende Maßnahmen, staatliche Förderungen, Buchhaltung und Sparen, eignen sich ein Handwerk an oder beantragen einen Mikrokredit. 

Das ist ein großer Fortschritt! Bevor es das Empowerment Center gab, wurde die Selbsthilfegruppen in den Gemeinden selbst geschult. Hier fehlte es aber an den passenden Räumlichkeiten, Strom und Abstand zu den täglichen Sorgen. Auch der Transport der Info- und Schulungsmaterialien sowie der Lehrbücher war kompliziert und teuer. Insgesamt also schwer zu organisieren und mit wenig gezielter Wirkung.

Das Women Empowerment Center

Nach den geplanten zwölf Monaten Bauzeit steht das Women Empowerment Center seit 2018. Im Erdgeschoss des zweistöckigen Hauses trennt eine flexible Wand einen Schlaf- von einem Speisesaal, der auch als Schulungsraum genutzt werden kann. Daneben liegen das Büro und ein Lagerraum. Das obere Stockwerk beherbergt vier Schulungsräume, eine Bibliothek und einen Mehrzweckraum. Die Räume sind gut in Gebrauch – dank des facettenreichen Angebots und einer passend geplanten Kampagne. Während der Bauzeit sensibilisierten Don Bosco-Mitarbeiterinnen – tatsächlich vorwiegend Trainerinnen, um das Vertrauen der Frauen zu gewinnen – die Bevölkerung der umliegenden Dörfer und Gemeinden über das zentralisierte Schulungsangebot, den Frauenrechtsansatz im Empowerment Center und welchen Nutzen es für alle hat. Mit Erfolg: Mehr als die geplanten 5.000 Frauen und 2.000 Männer konnten über das Bildungszentrum informiert werden. Und sind nun aktiver Teil der „Empowerment Bewegung“.

Trichy Don Bosco Society

Seit 2006 arbeitet Don Bosco im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu und kennt Land und Leute gut. Das gegenseitige Vertrauen ist groß, viele der Angebote entstehen aus Ideen der hier lebenden Männer und Frauen. Deswegen helfen die Programme und Projekte genau da und genau so, wie sie gebraucht werden – und entfalten so die größtmögliche Wirkung.

  • Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen
  • Arbeitsvermittlung
  • Selbsthilfegruppen
  • Rechtestärkung
  • Ländliche Entwicklung
  • Aufklärung über Geschlechtergleichheit sowie Menschen- und Kinderrechte
  • Betreuung von HIV/AIDS Infizierten und deren Kindern

Den Boden gut bereiten, damit die Saat Früchte trägt

In viele der Menschenrechtsangebote sind die Ehemänner, Väter und Brüder von Beginn an eingebunden und werden dadurch sensibilisiert. Nur wenn sie verstehen, welches Potential sie durch Ungleichbehandlung und Unterdrückung ungenutzt lassen, ändern sie ihre Haltung und beziehen Frauen in Entscheidungen und Planungen mit ein. Und nur so kann nachhaltige Entwicklung funktionieren. Männer und Frauen diskutieren daher gemeinsam im Empowerment Center aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Menschenrechte und ihre gesellschaftlichen Rollen. Dass ist wichtig, damit gerade die Antworten auf die Fragen nach Gleichberechtigung und Anerkennung nicht wirkungslos bleiben. 

Berufliche Aus- und Weiterbildungen sind aber den Frauen vorbehalten. Don Bosco arbeitet seit vielen Jahren mit dem System der Selbsthilfegruppen und zudem mit einem regionalen Fachverband zusammen. Das Vertrauensverhältnis ist eng. Durch den regelmäßigen Kontakt mit den Frauen und ihren Familien werden Herausforderungen schnell erkannt, Programme angepasst und ergänzende Maßnahmen früh geplant. Den aktuellen Ausbildungskursen ging beispielsweise eine Marktstudie voraus: Befragungen auf lokalen Märkten, die Verfügbarkeit von Rohmaterialien sowie die Interessen der Frauen ergaben, dass Schneiderei, Kosmetik und Frisieren, Sticken, Kunsthandwerk und Computerkurse hier ein ausgezeichnetes Marktpotenzial haben. Gesagt, getan. Mittlerweile sind gut 3.800 Fachfrauen aus den fünf- bis zehntägigen Schulungen hervorgegangen. Sie haben sich mit Kleinunternehmen selbstständig gemacht oder eine Anstellung gefunden, kennen staatliche Programme und wie sie diese beantragen. Damit bilden sie eine sichere Säule für das Familieneinkommen. 

Hohe Flexibilität sichert Wirksamkeit

Dank der Nähe zu den Frauen und Studien zu Märkten und Absatz passt Don Bosco das Kursangebot flexibel an: In 2019 wurden so aus 13 Kursen im Sticken drei, die anderen dementsprechend aufgestockt. Mehr Frauen als geplant haben an den Ausbildungen teilgenommen. Dadurch zeigt sich, wie wichtig auch die Aufklärung der Männer der Region für den Erfolg der Maßnahmen ist. Nur weil sie begreifen, dass Frauen ihren Teil zur Entwicklung beitragen können, bekommen diese den verdienten Raum dafür.

Voller Erfolg – Frauen und Männer stehen gemeinsam ihren Mann

Es gibt viele große und kleine Erfolge, die zeigen, dass das Women Empowerment Center nachhaltig wirkt:

  • viele Frauen haben ein eigenes Kleinunternehmen gestartet und tragen so zum Familieneinkommen bei
  • die Angebote des Women Empowerment Centers werden überdurchschnittlich gut angenommen 
  • viele Frauen sind selbstbewusster und bringen sich aktiv in Entscheidungsprozesse ein
  • 12 Frauen haben sich nicht nur bei den letzten Wahlen (2019) aufstellen lassen, sondern sind in wichtige Positionen gewählt worden
  • die Lebenssituation vieler Familien hat sich verbessert
  • die Stellung der Frauen innerhalb der Gesellschaft hat sich maßgeblich verändert
  • Don Bosco kooperiert mit regionalen Verbänden und weiteren NGO
  • das Women Empowerment Center ist ein etablierter Anlaufpunkt für Frauen aus der Umgebung 

Volle Power auch im Kampf gegen das Coronavirus

Die starken Frauen Tamil Nadus scheuen auch den Kampf gegen das Coronavirus nicht. Tatkräftig setzten sie die von Don Bosco organisierten Aufklärungskampagnen zu Hygienemaßnahmen und Präventionsmöglichkeiten um. So konnten zudem Versorgungspakete an knapp 4.000 Menschen mit Lebensmitteln, Desinfektionsmitteln, ayurvedischer Medizin und Mundnasenschutzmasken verteilt werden.

Miriam Zoeller und Andrea Schorn Spenderservice

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Miriam Zöller und Andrea Schorn Spenderservice

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