Berufliche Bildung auf dem Prüfstand?Aktuelle Herausforderungen in der internationalen EZ
Zu den 15. Werkstattgesprächen am 20. März 2026 traf sich die Fachcommunity der Berufsbildung in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) auf unserem Campus, um über die Zukunft der beruflichen Bildung in globalen Partnerschaften zu diskutieren. Unter dem Titel „Berufliche Bildung auf dem Prüfstand?“ standen aktuelle Herausforderungen, Chancen und Handlungsmöglichkeiten im Fokus – angesichts geopolitischer Verschiebungen, finanzieller Kürzungen und neuer globaler Allianzen.
Über 80 Teilnehmende aus NGOs, Wissenschaft und Praxis folgten der Einladung und tauschten sich offen und konstruktiv aus. Die Veranstaltung bot sowohl eine analytische Einordnung der internationalen Trends als auch praktische Impulse für die tägliche Arbeit in der Berufsbildungszusammenarbeit.
Praxisnahe Diskussion im Panel:Herausforderungen bieten Chancen
Auf dem Panel „Herausforderungen für EZ-Organisationen – Erfahrungen und Umgangsstrategien“ diskutierten:
- Susanne Sattlegger, Leiterin Abteilung BMZ-Programme und Mitglied des Fachbeirates Berufliche Bildung bei Don Bosco Mondo
- Peter Meiwald, Abteilungsleiter Afrika-Nahost bei Misereor
- Christoph Wegener, Projektreferent Öffentliche Geber bei Don Bosco Mondo
Sie gaben Einblicke in konkrete Anpassungsstrategien ihrer Organisationen. Klar wurde: Kürzungen und Effizienzsteigerungen wirken sich deutlich auf die Arbeit aus, bieten aber zugleich Chancen, Partnerschaften und Prozesse neu zu denken.
Interaktive Workshops:Lösungsansätze für die Praxis
In vier parallelen Workshops arbeiteten die Teilnehmenden an zwei zentralen Themenfeldern:
1. Kooperation unter Druck: Wie verändern sich Partnerschaften in der beruflichen Bildung?
- Welche Rolle nehmen deutsche NGOs in internationalen Berufsbildungskooperationen ein?
- Welche Allianzen könnten neue Wege eröffnen?
- Welche Ansätze wurden ausprobiert? Welche sind gescheitert?
2. Strategien für die Zukunft: Wie kann berufliche Bildung international wirksam bleiben?
- Argumente für Wert und Wirkung von Beruflicher Bildung
- Was brauchen lokale Partner, um unter veränderten Bedingungen handlungsfähig zu bleiben?
- Wie kann trotz finanzieller Einschränkungen Qualität gesichert werden?
Videobotschaften unterstreichen globale Dimension
Ergänzt wurden die deutschen Einblicke auf dem Campus in Bonn durch Videobotschaften internationaler Partner:
Diese Beiträge unterstrichen die globale Dimension und Vielfalt der Berufsbildungskooperationen und inspirierten die Teilnehmenden, neue Ansätze und Partnerschaften zu prüfen.
Die 15. Werkstattgespräche haben gezeigt, dass berufliche Bildung in der EZ vor großen Herausforderungen steht – und gleichzeitig enormes Potenzial für Innovation und Wirkung bietet. Die Veranstaltung hat den Austausch zwischen Fachleuten, Wissenschaft und internationalen Partnern intensiviert und liefert wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der Berufsbildungskooperationen.
Das waren die Werkstattgespräche 2025
Unter dem Titel „Bedarfe des Beschäftigungsmarktes – Bedürfnisse junger Menschen: A match?“ widmeten sich im letzten Jahr Impulsgebende und Fachpublikum dem drängenden Thema Fachkräftemangel und -migration. Denn Deutschland benötigt dringend ausländische Fachkräfte – doch entscheidend ist, ob diese sich willkommen fühlen und langfristig bleiben.
Yorck Sievers (DIHK) und Michael Olma (ZDH) bestätigten, wie groß der Bedarf ist und dass ohne internationale Fachkräfte zentrale Bereiche nicht mehr funktionieren. Ein gelungenes Praxisbeispiel steuerte Johannes Motz bei: Eine Kooperation verschiedener Akteure ermöglichte jungen Solartechnikern aus Ghana ein Praktikum in Deutschland – alle sind mittlerweile in ihre Ausbildung gestartet. Das zeigt, was kreative Partnerschaften bewegen können und müssen.
Godson Amamoo und Lukas de Vries berichteten, wie entscheidend für den Erfolg und das Bleiben von Fachkräften die Unterstützung beim Ankommen, bei Sprache, Integration und die persönliche Begleitung sind. Martin Hilgers (Begeca) Einblicke in aktuelle Planungen machten sichtbar, wie anspruchsvoll die Abstimmung zwischen Marktanforderungen und den Qualifikationen sowie Erwartungen der Fachkräfte ist.
Berufliche Bildung im Fokus
Seit 2010 lädt Don Bosco Mondo jährlich zu den Werkstattgesprächen Berufliche Bildung ein. Expertinnen und Experten kommen zu fachlichem Austausch zusammen. Dabei immer im Fokus: Wie kann und muss berufliche Bildung aussehen, damit aus Bildung Zukunft wird?
Ein thematischer Rückblick
- 2026: Berufliche Bildung auf dem Prüfstand? Aktuelle Herausforderungen in der internationalen EZ
- 2025: Bedarfe des Beschäftigungsmarktes – Bedürfnisse junger Menschen: A match?
- 2024: Let’s talk about… Sustainable management of TVET centers for marginalized target groups
- 2023: Let’s learn from… Entrepreneurs. Im Gespräch mit Selbstständigen
Wie muss Selbstständigkeit vorbereitet sein, damit sie nachhaltig funktioniert – gerade wenn der Weg dorthin über Schul- und Ausbildung kein gängiger ist? - 2022: Entrepreneurship – ein starkes Stück Zukunft?!
Chancen, Nutzen und Risiken von Selbständigkeit als Entwicklungsfaktor - 2021: „Wer ist eigentlich dieser Markt?“
Marktorientierung von beruflicher Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit - 2019: AusBildung wird Zukunft – was macht erfolgreiche berufliche Bildung aus?
- 2018: Berufliche Bildung 4.0
- 2017: Netzwerke(n) für Berufliche Bildung
- 2016: Blue Collar Jobs – eine weltweite Herausforderung für Wirtschaft, Politik und Entwicklungszusammenarbeit?
- 2015: Berufliche Bildung heute: Wie gut passt der Ansatz von Don Bosco?
Diskussion des hauseigenen Konzeptpapiers zu "Beruflicher Bildung" - 2013: Auseinandersetzung und kritische Diskussion des Strategiepapiers des BMZ „Berufliche Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit“
- 2012: Migration als Chance für Entwicklung – Ausrufe- oder Fragezeichen?
Arbeitsmigration und ihre Folgen für Mensch, Gesellschaft und Wirtschaft - 2011: Zusammenarbeit mit Unternehmen
- 2010: Ohne Ausbilder geht`s nicht – Herausforderungen für die kirchliche Entwicklungsarbeit

















