Wiederaufbau auf den Philippinen nach dem Taifun Hajyan

Mit vereinten Kräften bauen die Bewohner der Philippinen und Don Bosco wieder auf, was Taifun „Haiyan“ im November 2013 an Verwüstungen hinterlassen hat.

Hajyan brauchte nur einen Tag, um alles zu zerstören, was wir uns aufgebaut hatten.
Aleta, 58 Jahre alt, Lehrerin in Tacloban, Philippinen
Philippinen: Aleta, Überlebende des Taifuns Hajyan

Mein Herz zerbrach in 1.000 StückeAleta berichtet von der Nacht, die ihr vieles nahm

In der Nacht vor dem Taifun wurden wir in das Gemeindehaus evakuiert. Wir hatten nicht viel mitgenommen. Wir dachten nicht, dass es so schlimm werden würde. Schließlich hatten wir schon viele Taifune erlebt. Sie gehören für uns zum Alltag. Doch in der Nacht entfaltete der Taifun seine volle Kraft: Wir waren weit oben im Gebäude untergebracht und erwachten vom Klirren der Scheiben. Die Decke über uns drohte einzustürzen. Also flüchteten wir nach unten in die Halle. Doch hier kamen uns schon die Wassermassen entgegen. Reis wurde durch die Halle geschwemmt, das Wasser stieg wahnsinnig schnell. Also stiegen wir so schnell wir konnten die Treppe wieder hinauf. Dabei verlor ich meine Mutter und meine Schwester aus den Augen. Ich hatte furchtbare Angst um sie, denn ich wähnte sie im Untergeschoss eingeschlossen. Das Wasser stieg so wahnsinnig schnell – ich glaubte nicht daran, sie wiederzusehen. Wie durch ein Wunder schafften sie es aber, aus der Halle heraus und kamen wenig später durch das Fenster im ersten Stock hereingeschwommen. Meine Mutter war damals 82 Jahre alt. Es ist unglaublich! Sie hatte ich also wieder!

Doch in den nächsten Tagen zerbrach mein Herz in tausend Stücke. Unser Haus: zerstört. Viele Verwandte: tot. Meine Nichten und Neffen: traumatisiert. Und doch hatten wir Glück, Don Bosco hat uns ein neues Haus geschenkt! Es ist taifunsicher gebaut und hält Wind und Wasser stand. Diese feste Unterkunft half uns sehr dabei, neuen Lebensmut zu schöpfen. Und auch die Schule, in der ich arbeite, hat Don Bosco wiederaufgebaut. Sie dient der Gemeinde als Evakuierungsraum. Die offenen Wände lassen das Wasser hindurchfließen, sodass wir in den oberen Räumen sicher sind.

Gelungen und durchdacht:Wiederaufbau auf den Philippinen nach dem Taifun Haiyan

Am 11.11.2013 zerstörte der Taifun „Haiyan“ die Lebensgrundlage von Millionen Menschen auf den Philippinen und kostete mehr als 6.000 das Leben. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h hinterließ „Haiyan“ eine Schneise der Verwüstung – mehr als 600.000 Häuser wurden komplett zerstört. Dank vieler Spenden hat Don Bosco die in Not geratenen Menschen vom ersten Tag an tatkräftig unterstützt. Über 40.000 Familien wurden mit Nahrung, Wasser, Kleidung und medizinisch versorgt. Hunderte Freiwillige, unter ihnen viele Schülerinnen und Schüler, schnürten insgesamt rund 150.000 Hilfspakete und verteilten sie an die notleidende Bevölkerung.

Hilfe zur Selbsthilfe: Wiederaufbau in drei Maßnahmenblöcken: 

1.    Wiederaufbau des Küstendorfes Candahug 
2.    Reparatur beschädigter Wohnhäuser bzw. Neubau von einfachen Unterkünften 
3.    Bau von zweistöckigen sturmsicheren Schulgebäuden.

Gemeinsam bauen wir ein Dorf:Wiederaufbau des Dorfs Candahug

Das Fischerdorf Candahug liegt nur einen Kilometer von Tacloban, dem Zentrum der Zerstörung, entfernt und wurde vom Taifun dem Erdboden gleichgemacht. Viele Männer hatten sich der Evakuierung widersetzt und blieben in ihren Häusern, um ihr Hab und Gut zu schützen. Sie bezahlten das mit ihrem Leben – und nun standen Frauen, Kinder und Alte hilflos vor der Mammutaufgabe Wiederaufbau.

„ARC“ ist die Antwort der Salesianer Don Boscos auf diese Herausforderung: „Adopting and Rebuilding a Community“ („Annahme und Wiederaufbau einer Gemeinde“). Und das heißt, dass Don Bosco den nachhaltigen Wiederaufbau der Häuser, Straßen, Kirchen und Schulen in Candahug gemeinsam mit der Bevölkerung angeht – beschlossene Sache nach Absprachen zwischen den Bewohnern, dem Bürgermeister und dem Katastrophenbeauftragten. Don Bosco koordinierte den Wiederaufbau, organisierte Baumaterial und gewährleistete eine fachkundige Begleitung durch Ingenieure. Die Bevölkerung packte so gut sie konnte mit an und übernahm Bau- und Räumarbeiten. Den Dorfbewohnern war und ist es wichtig, ihren Teil zum Wiederaufbau des Dorfes beizutragen.

Jedes neue Haus hat nun einen separat liegenden, stabilen Schutzraum für Katastrophen, der gleichzeitig auch die Toilette beherbergt. Hier können die Dorfbewohner ihr Hab und Gut und auch sich selbst bei Starkregen und Wirbelstürmen in Sicherheit bringen. Der Taifun Haiyan hat gezeigt, dass so ein Schutzraum Leben retten kann!

Während der Bauphase reduzierte sich die anvisierte Zahl von 360 Häusern mit einem taifunsicheren Schutzraum auf 242. Aus Katastrophenschutzgründen sind einige Gebiete zu unbebaubaren Sicherheitszonen deklariert worden. Die freigewordenen Gelder flossen in den Bau der zweigeschossigen Schulgebäude. 

Neues Zuhause schaffen:Instandsetzung und Bau von Häusern

Der zweite Maßnahmenblock ist auf schnelle Hilfe ausgelegt und lebte von tatkräftiger Unterstützung. Gemeinsam mit den Behörden identifizierte Don Bosco die am stärksten betroffenen Familien. Rund 2.800 von ihnen bekamen für die Reparaturen benötigtes Baumaterial, um ihre Häuser schnell wieder bewohnbar zu machen. Viel wichtiger aber war die Hilfe zahlreicher Don Bosco-Azubis aus Eastern Samar, Liloan und Bantayan. Sie haben sich freiwillig gemeldet und wandten nun stolz ihre Fachkenntnisse für die Instandsetzung der zerstörten Häuser an. Sie waren mit vollem Einsatz dabei und bauten, wenn nötig, auch einfache Wohnhäuser aus Holz und Wellblech.

Sichere Zukunft ermöglichen:Bau von sturmsicheren Schulgebäuden

Acht staatliche Schulen baute Don Bosco taifunsicher wieder auf oder neu. In dicht besiedelten, katastrophengefährdeten Gebieten bieten sie den Kindern aus armen Familien die Chance auf Bildung und dienen zugleich als Zufluchtsort. Sie sind zweigeschossig und haben im Erdgeschoss eine große offene Aula. Bei Überschwemmungen kann das Wasser einfach hindurchfließen ohne besondere Schäden anzurichten. Neben den dringend benötigten Klassenzimmern, beherbergen sie auch Schutzräume für die Jungen und Mädchen. Außerdem finden hier regelmäßig Schulungen zur Katastrophenvorsorge statt. Schon beim Taifun Hagupit im Dezember 2014 konnten PCs und wichtige Dokumente in der Schule in Patao in Sicherheit gebracht werden. Und obwohl damals noch nicht fertig, retteten sich viele Menschen erfolgreich in das Evakuierungszentrum in Candahug.

Wir Filipinos haben wenig zu geben, aber das, was wir haben, teilen wir gerne.
Dr. Leah Samson, Leiterin des Don Bosco Projekt- und Entwicklungsbüros (PDO)
Philippinen: Leah Samson

Don Bosco auf den Philippinen

Die Salesianer Don Boscos sind seit 1951 auf den Philippinen tätig. Zur südphilippinischen Provinz gehören insgesamt 31 Einrichtungen der internationalen Jugendhilfe und Entwicklungsarbeit im Süden der Philippinen und in Pakistan: Sechs Schulen (Grund-, Mittel- und Oberschulen), zwölf Berufsschulen, vier Kinderheime, acht Jugendzentren, ein Rehabilitationszentrum für straffällig gewordene Jugendliche und eine Ausbildungsstätte in einem Jugendgefängnis. Durch die soziale und pastorale Arbeit der Salesianer Don Boscos werden in der Region direkt ca. 25.600 Kinder und Jugendliche erreicht.
 

Andrea Schorn

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