Don Bosco weltweit im Einsatz gegen Corona

Viren und hochinfektiöse Krankheiten machen nicht Halt vor Ländergrenzen – und gefährden das Leben der Schwächsten: Straßenkinder, Arme, Kranke, Alte, Hungernde. 

Gerade in den Flüchtlingscamps und den Slums, Favelas und Elendsvierteln sind die Hygienebedingungen katastrophal. Abstandsregeln können in den eng aneinander gebauten, kleinen Hütten nicht eingehalten werden, es gibt weder fließendes Wasser noch Seife.
Silvia Cromm

Unermüdlich im Einsatz

Kinder und Jugendliche in den Don Bosco Straßenkinderzentren weltweit sind bereits vom Leben auf der Straße geschwächt. Sie brauchen besonders viel Fürsorge und therapeutische Unterstützung. Sie während der Lockdowns weiter eng zu betreuen ist schwierig. Aber die Salesianer Don Boscos und die Don Bosco Schwestern geben alles. Und wir stehen fest an ihrer Seite: Gemeinsam stellen wir uns unermüdlich, kreativ und furchtlos den Folgen der Corona-Pandemie. 

Weitreichende Folgen eindämmen

Denn die Corona-Pandemie hat für die Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern besonders dramatische Folgen: Durch die Ausgangssperren haben viele Tagelöhner und Wanderarbeiter ihre Jobs verloren, sie haben keine finanziellen Rücklagen, es gibt kaum funktionierende staatliche Netzwerke. Sie fürchten nicht nur die Krankheit, sondern leiden mit ihren Familien vor allem Hunger. Hier wird die Gesundheitskrise zu einer Wirtschaftskrise führen. Und auch diese wird die Schwachen und Armen besonders hart treffen, Experten befürchten Millionen neuer Arbeitsloser. 

Wie aber wird es nach dem Lockdown weitergehen? Werden die Kinder zurück in unsere Schulen kommen und die Jugendlichen ihre Ausbildung in unseren Lehrwerkstätten fortführen können? Oder werden sie gezwungen sein, schlecht bezahlte Aushilfsjobs anzunehmen, um sich und ihre Familien über Wasser zu halten?
Silvia Cromm

In Ecuador verteilen die Salesianer Don Boscos Lebensmittelgutscheine an extrem arme Familien. Mit der Gutschrift über umgerechnet 60 US Dollar können sich die Familien in den Supermärkten in der Nähe versorgen. Ihr Überleben ist damit für die kommenden zwei bis drei Wochen gesichert. Bis zu drei Mal kann eine Familie einen solchen Gutschein erhalten. Zudem sind Vereinbarungen mit lokalen Geschäften getroffen, in denen die Familien frische Lebensmittel zu einem günstigen Preis bekommen. Denn mit der gesunden Ernährung stärken sie ihr Immunsystem und verhindern eine Infizierung mit dem Corona-Virus.

Tausende Familien kämpfen ums Überleben

„Von den 60 Dollar können meine Familie und ich eine Woche lang überleben,“ sagt eine Frau, die aufgrund der Ausgangssperre nicht mehr arbeiten gehen kann und die Alleinverdienerin der Familie ist. Kalkuliert war die Hilfe für 2.000 Familien, mittlerweile versorgt Don Bosco 4.000 Familien landesweit. Die meisten könnten sich ohne die Unterstützung noch nicht mal ein Brot leisten.

Kampagne der Solidarität

„Wir werden uns immer für die armen Menschen einsetzen. Mit dieser Kampagne der Solidarität wollen wir viele Personen und Institutionen ermutigen, den bedürftigen Menschen zu helfen“, so die Salesianer Don Bosco in Quito. Ecuador gehört zu den Ländern Lateinamerikas, die am meisten unter den wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus leiden. Der Großteil der Bevölkerung lebt in extremer Armut.

Die Corona-Krise stellt unsere Partner in Indien vor große Herausforderungen. Pater Joy Nedumparambil SDB ist seit 2012 Direktor der Nichtregierungsorganisation BREADS in der indischen Metropole Bangalore. BREADS koordiniert mehr als 40 Sozialprojekte, vor allem für Frauen und Kinder. Im Interview erklärt er, warum Straßenkinder durch die Corona-Krise besonders gefährdet sind.

Wie geht es den Kindern und Jugendlichen in den Don Bosco Einrichtungen?
Den Kindern in den Zentren geht es soweit gut. Falls Verdachtsfälle von Corona-Infizierungen vorliegen, ergreifen wir im Haus sofort die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Wir sorgen dafür, dass einfache Erkältungen und Husten sofort behandelt werden. Zudem achten wir auf eine gesunde Ernährung, um das Immunsystem zu stärken. Wir haben nur wenig Platz, deswegen ist es schwierig, den notwendigen körperlichen Abstand einzuhalten. Alle Kinder tragen zum Schutz Atemmasken, die Frauen in Selbsthilfegruppen für sie genäht haben.

Was ist mit den Kindern, die noch auf der Straße leben?
Kinder, die jetzt noch auf der Straße leben, sind in einer besonders prekären Situation. Die meisten von ihnen sind körperlich geschwächt, haben Vorerkrankungen und können sich nicht vor dem Virus schützen. Wo wir konnten und uns sicher sind, dass sie gut untergebracht sind, haben wir die Kinder zu ihren Familien zurückgebracht. Manche sind in der Obhut der Polizei und in Notunterkünften. Diese sind allerdings in einem miserablen Zustand: Meistens ohne fließend Wasser und medizinische Versorgung. Da die Kinder nicht auf die Straße dürfen, können sie sich auch kein Essen besorgen. Sie sind auf Hilfe von außen angewiesen.

Dürfen die Sozialarbeiter noch auf die Straße gehen?
Wir haben Passierscheine von der Polizei bekommen, um Kindern und Jugendlichen auf der Straße in Not zu helfen und sie auch medizinisch zu versorgen. Und wir dürfen Essen und Hilfspakete zu bedürftigen Familien bringen. In Notfällen meldet sich die Polizei oder eine andere Anlaufstelle bei uns. Denn unsere Sozialarbeiter können ihre täglichen Erkundungsgänge zu den Bahnhöfen, Busbahnhöfen oder auf Märkten nicht mehr machen. Die Sozialarbeit auf der Straße ist praktisch vollends zum Erliegen gekommen. Wir versuchen vor allem sicherzustellen, dass keine minderjährigen Kinder alleine auf den leer gefegten Straßen unterwegs sind.

Was wird jetzt am Nötigsten gebraucht?
Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Ausgangsperren verlängert werden und dadurch noch mehr Menschen unsere Hilfe brauchen: Daher benötigen wir mehr Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel und Material für Atemschutzmasken, um den nötigsten Bedarf der Familien zu decken. Mit finanzieller Hilfe könnten wir auch einen Thermoscanner anschaffen, um mögliche Infizierungsfälle früh zu erkennen und zu behandeln. Wir könnten auch sehr armen Menschen die Corona-Tests bezahlen. Je länger die Ausgangssperre dauert und Corona uns gefangen hält, umso wichtiger wird auch die psychologische Unterstützung.

Langer Weg zur Normalität

Die seelische Belastung, die Ängste und Unsicherheiten sind enorm. Deshalb werden viele Menschen psychotherapeutische Hilfe brauchen. Und wir möchten die Online-Angebote für die Kinder und Jugendlichen in den Schutzzentren ausbauen. Sie sollen auch in dieser Zeit weiterlernen können. Viele Menschen haben schon ihre Jobs verloren. Auch sie brauchen Unterstützung, damit sie überleben können. Der Wiederaufbau und Weg zur Normalität wird sehr lange dauern und viel Zeit kosten.

Das Interview wurde im April 2020 geführt.
 

Das Coronavirus hat die ganze Welt ins Wanken gebracht. Nichts ist mehr, wie es war. Für Don Bosco wird die Frage immer drängender, wie es in einer Welt im Corona-Würgegriff vor allem für junge Menschen weitergehen kann. Welche Auswirkungen hat dieses Leben im Stillstand für junge Menschen an entscheidenden Wendepunkten: Auf dem Weg zum Schulabschluss oder beim Start ins Berufsleben? Wir haben den Nothilfekoordinator des Don Bosco Network Pater MC George, bei dem derzeit alle Fäden zusammenlaufen, dazu befragt.

„Viele Kinder und Jugendliche haben nach der ersten Freude über den ausfallenden Unterricht schnell das Ausmaß der Krise erkannt: Alle digitalen Tools, wenn es sie denn vor Ort gibt, können die Freunde und den Unterricht nicht ersetzen. Kurzfristige Pläne und Träume sind geplatzt. Weit schwerwiegender ist aber, dass auch die langfristigen zu scheitern drohen. Denn Eltern haben ihre Jobs verloren, das Geld wird knapp. Und wo wird zuerst gespart? An der Bildung der Kinder. Das müssen wir mit aller Kraft verhindern! Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat vor kurzem eine erschreckende Zahl genannt: Die Zukunft von nicht weniger als einer Milliarde Kinder und Jugendlicher ist in Gefahr! Aber viele Kinder und Jugendliche zeigen (oft zum wiederholten Mal in ihrem Leben) eine erstaunliche Widerstandskraft und emotionale Stabilität. Sie erleben gerade, dass sie dem Virus körperlich besser gewachsen sind und mit ihrer Energie zu dem geworden sind, zu dem Don Bosco sie immer machen wollte: zu Agenten des Wandels und zu engagierten Mitgliedern der Gesellschaft. Sie sind stark für die Schwachen, übernehmen Verantwortung, gestalten Gemeinschaft und werden nicht müde, die Mächtigen zu ermahnen. Sie tun das mit ihren eigenen Mitteln – wir müssen ihnen dabei zur Seite stehen und sie ernst nehmen. 

Unsere Sorge als gemeinnützige Organisation und katholischer Orden bleibt in dieser Pandemie, wie wir unserer Zielgruppe, den geografisch, ökonomisch und sozial Abgehängten, weiterhin alle Möglichkeiten geben können, sich zu entwickeln. Wir müssen sicherstellen, dass sie nicht zurück in das tiefe Loch fallen, aus dem sie sich vielleicht gerade erst gekämpft haben. Wir müssen sie finanziell, technisch und seelisch unterstützen, damit sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können – das können wir nur mit Ihnen gemeinsam!“

Das Interview wurde im August 2020 geführt.

Uns erreichte ein drängender Brief von Pater Jorge Crisafulli, dem Leiter des Don Bosco Straßenkinderzentrums „Fambul“ inmitten Freetowns, der Hauptstadt von Sierra Leone.

„Jetzt hat das Corona-Virus auch unser Land erreicht – so, wie wir es erwartet haben. Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor, auch wenn wir von ganzem Herzen hoffen, dass es nie eintreten wird.

Das Land ist auf eine solche Epidemie nicht gut vorbereitet – trotz der Erfahrungen mit Ebola. Es gibt zu wenige Krankenhäuser, Labore, Medikamente, Ärzte und Schwestern. Darum befürchten wir viele, viele Infizierte und tausende Tote – vor allen Dingen, weil die Menschen hier arm sind, weil Hunger sie schwächt, weil sie krank sind und an Malaria, TBC, Hepatitis oder HIV leiden. In ganz Sierra Leone gibt es nur drei Beatmungsgeräte.

Deshalb ist unsere größte Sorge: Wie stoppen wir die Infektionen und wie schützen wir unsere Mitarbeiter und die Kinder, die im Zentrum wohnen? Und wie können wir für die tausenden Jungen und Mädchen da sein, die auf den Straßen Freetowns ein elendes Leben fristen? Kinder, die in diesen Zeiten noch verletzlicher sind, als sie es ohnehin schon waren!

Wir benötigen Hygienematerial, wie Seife, Desinfektionsmittel und Masken. Hier ist es schon knapp, und die Preise steigen rapide. Wir brauchen Medikamente, um weiterhin Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und andere behandeln zu können. Und wir brauchen dringend Lebensmittel! Wir versorgen jeden Tag mehr als 250 Jungen und Mädchen, die das Ebola-Virus zu Waisen gemacht hat.

Einige der vielen Straßenkinder in Freetown haben wir in einer Grundschule untergebracht, die nach dem Lockdown geschlossen wurde. Dort ist es für sie sicherer als auf der Straße und wir können uns kümmern. Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten, bis das genehmigt wurde. Doch wir haben es geschafft!

Um unsere Kinder aus dem Zentrum zu schützen, bringen wir sie raus aus der engen Stadt. Wir haben außerhalb von Freetown ein neues Zentrum für schwer traumatisierte Straßenkinder gebaut – das „New Fambul“. Dort sollen jetzt unsere Schützlinge aus „Fambul“ wohnen. Sie sind dort sicherer. Auf der Krankenstation betreuen wir die Mädchen und Jungen, die Fieber haben oder andere Symptome zeigen. An Covid-19 erkrankte Kinder bringen wir ins Krankenhaus. Das alte Schutzhaus für die Straßenmädchen und das Haus der freiwilligen Helfer werden zur Quarantänestation.

Damit die Mädchen und Jungen auch in den nächsten Monaten genügend zu essen haben, bauen wir Obst und Gemüse an und werden einige Ziegen kaufen. So bereiten wir uns auf die Zeiten des Hungers vor. Zeiten, die kommen werden, weil hier die Lebensmittelpreise so ansteigen, dass wir kaum noch etwas kaufen können.

Alles, was jetzt zählt, ist Zeit. Je schneller Ihr uns helfen könnt, desto besser. Ich weiß nicht, wann hier die Grenzen ganz geschlossen werden und Schiffe mit Hilfsgütern im Hafen liegen bleiben. Es sieht so aus, als würde es in den nächsten sechs Monaten schlimmer statt besser. Deshalb müssen wir schnell handeln.

Danke!“

Pater Jorge Crisafulli SDB

Das Don Bosco Network hat in Indien mehr als eine Millionen Menschen mit einer Mahlzeit versorgt und hunderttausende Lebensmittelpakete verteilt. Dem globalen Netzwerk gehören 354 Don Bosco Nichtregierungsorganisationen an.

"Don Bosco Solidarity COVID 19”

Don Bosco Mitarbeitende und Freiwillige verteilten bis Mitte Mai mehr als 400.000 Schutzmasken. Im Rahmen der Kampagne “Don Bosco Solidarity COVID 19” wurden zudem die verwundbarsten und ärmsten Menschen für Schutzmaßnahmen sensibilisiert und medizinisch versorgt. Zu den Gruppen gehören Flüchtlinge, Obdachlose, Wanderarbeiter, Slumbewohner, Rikschafahrer und Tagelöhner mit ihren Familien. Auch psychologische Hilfe wurde angeboten. Die Don Bosco Organisationen arbeiten bei ihrem Einsatz eng mit den lokalen Behörden zusammen.

Don Bosco Network ist ein globales Bündnis von Don Bosco Nichtregierungsorganisationen (NRO). In Nothilfefällen werden Projekte gemeinsam geplant und umgesetzt.
 

Miriam Zoeller und Andrea Schorn Spenderservice

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Miriam Zöller und Andrea Schorn Spenderservice

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