Fambul bedeutet Familie

Und genau dafür steht das Kinderschutzzentrum Don Bosco Fambul, das seit 1998 die Anlaufstelle für Straßenkinder, (Ebola-)Waisen und Opfer sexualisierter Gewalt in Sierra Leones Hauptstadt Freetown ist.

Verkauft, vertrieben, verloren

Princesse erging es wie vielen Mädchen in Freetown: Ihre Eltern schickten sie mit 13 Jahren zu einem „Onkel“ in die Hauptstadt. Als Bauern reichte das tägliche Brot nur knapp zum Überleben, weder Schule noch Arbeit weit und breit. Also musste die Älteste zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Princesse hoffte darauf, in der großen Stadt zur Schule gehen zu können. Das milderte ihren Abschiedsschmerz etwas. Was sie da noch nicht wusste: Der „Onkel“ hatte ihre Eltern für sie bezahlt; sie sollte sein neues Hausmädchen sein. Und da begann die Hölle. Princesse wurde wie eine Sklavin behandelt, willkürliche Gewalt beherrschte ihren Alltag. Princesse floh – aber da sie nicht wusste wohin, wurde sie zu einem der tausenden Straßenkinder der Hauptstadt. Wie sie waren viele vor Gewalt, Hunger und Armut geflohen oder durch Bürgerkrieg und Ebola zu Waisen geworden. 

Verkaufte Körper, verkaufte Seelen

Wie so viele der Straßenmädchen, verkaufte auch Princesse ihren Körper, um zu überleben. Bis zu fünf Freier am Tag misshandelten und missbrauchten sie und raubten ihr damit fast die Selbstachtung. Einige Jahre lebte sie so in der täglichen Gefahr, schwanger oder unheilbar krank zu werden, bis ein Don Bosco Sozialarbeiter zu ihr durchdringt. Denn jede Woche macht sich ein Team an Bord des „Don Bosco Mobils“ auf den Weg zu den Treffpunkten der Straßenkinder in den Armenvierteln. Der umgebaute Linienbus ist unverkennbar, bekannt und beliebt – verheißt seine Ankunft immer eine warme Mahlzeit, Ablenkung durch Spiele und Musik und ein offenes Ohr. Das bieten die Streetworker jeder und jedem, der möchte, an. Sie hören sich die Sorgen und Nöte der Straßenkinder an, helfen bei kleineren Verletzungen sofort oder bieten weitere medizinische Hilfe an. So gelingt es ihnen, behutsam Vertrauen aufzubauen und einige der Jugendlichen zu überreden, der Straße den Rücken zu kehren. 

Die bittere Wahrheit ist, dass in Sierra Leone ein Hund oftmals mehr respektiert wird als die Mädchen.
Pater Jorge Crisafully SDB Direktor von Don Bosco Fambul

Zurück ins Leben

Princesse möchte das sehr gern – aber es ist für sie nicht leicht, die gewohnte Freiheit aufzugeben und sich in neue Regeln und ein fremdes Miteinander einzufinden. Der raue Ton und der Umgang auf der Straße haben sie misstrauisch und vorsichtig gemacht. Der Wunsch, endlich lesen und schreiben zu lernen, hilft ihr aber, diesen Schritt zu gehen: Seit einem Jahr wohnt sie nun schon mit 80 anderen minderjährigen Prostituierten im Girls Shelter Plus – dem neuen Don Bosco Mädchenwohnheim außerhalb der Stadt. In der ländlichen und friedlichen Atmosphäre blühen die Mädchen auf, heilen ihre seelischen und körperlichen Wunden Schritt für Schritt. Denn hier greifen ebenso ganzheitliche wie individuelle Hilfsangebote ineinander: Spezielle Rehabilitations- und Therapieprogramme werden ergänzt durch rechtliche Beratung, medizinische Versorgung, psychotherapeutische Unterstützung, Aufklärung, Wohngruppen, Unterricht und Ausbildung – und immer auch Spiel, Sport und Musik. Das oberste Ziel ist es, die Mädchen mit ihren Familien wieder zu vereinen. Geht dies nicht, bekommen sie das passende Rüstzeug an die Hand, um selbstbewusst und eigenständig ihr Leben zu gestalten. Princesse musste sich erst einmal körperlich erholen. Sie hat Glück gehabt und sich nicht wie viele der anderen Mädchen mit HIV oder Hepatitis angesteckt. Jetzt lernt sie fleißig, denn sie will Köchin werden. Und ihre Chancen stehen gut: Gut 500 Mädchen haben die Rehabilitierungsprogramme hier durchlaufen und nur 30 von ihnen sind auf die Straße zurückgekehrt.

An der Seite der Schwächsten

Seit 1998 engagiert sich Don Bosco Fambul täglich für die Schwächsten der Gesellschaft. Eigentlich wurde die Einrichtung gegründet, um ehemaligen Kindersoldaten zurück ins Leben zu helfen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Angeboten, die Don Bosco zu einer vertrauensvollen Anlaufstelle für Slumbewohner, Knastkinder, Arme, Hungernde, Kinderprostituierte, Ebolawaisen und Straßenkinder macht. Besonders in der Ebola-Epidemie 2014 ist Don Bosco Fambul über sich hinausgewachsen und hat dringende Nothilfe geleistet: Mit mobilen Hygieneschulungen, Aufklärungskampagnen, einem Nottelefon und einem provisorischen Auffanglager für Waisen. Im Kampf gegen Kinderprostitution klärt Don Bosco Menschen und Behörden über Kinderrechte und Menschenhandel auf.

Corona erschwert die Hilfe

Um allen Hygienebestimmungen gerecht zu werden, können aktuell nur 30-40 Mädchen im Schutzzentrum betreut werden. Aber immer mehr junge Prostituierte kommen zu Don Bosco Fambul und bitten um Essen, Hygieneartikel, Milch und Milchpulver für ihre Babys. Aus den täglich 30 geschnürten Versorgungspaketen sind mittlerweile 60 geworden und auch die reichen längst nicht mehr! Zudem droht der Kontakt zu den in der Prostitution ausgebeuteten Mädchen auf der Straße abzubrechen, der aber so wichtig ist, um die kranken Seelen zu berühren und zu retten.

Deine Spende hilft

Im Schutzhaus lernen die Mädchen ein Zuhause und Familienstrukturen kennen. Unser Ziel ist es, den Mädchen eine Zukunft jenseits von Prostitution zu geben.
Pater Jorge Crisafully SDB Direktor von Don Bosco Fambul
Miriam Zoeller und Andrea Schorn Spenderservice

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Miriam Zöller und Andrea Schorn Spenderservice

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