Ausbildung und Bildung auf dem Land

Für Don Bosco ist Bildung der Schlüssel und Beitrag zur Stärkung von Kleinbauernfamilien in ländlichen, oftmals entlegenen Regionen.

Don Bosco kämpft gegen Hunger und Armut. Überall.

Noch immer hungern weltweit knapp 800 Millionen Menschen. Zwei Milliarden leiden unter Mangelernährung. Damit markiert Hunger das größte Gesundheitsrisiko und zudem eines der größten Entwicklungshemmnisse.

Dabei werden weltweit genügend Nahrungsmittel produziert, um alle Menschen zu ernähren. Theoretisch. Das Problem ist die ungleiche Nahrungsverteilung: Die meisten Betroffenen leben in Süd- und Südostasien. Der Anteil der Hungernden an der Bevölkerung ist in Afrika südlich der Sahara am größten: fast jeder vierte Mensch leidet Hunger.

Hunger und Ausgrenzung auf dem Land

Hunger ist vor allem ein ländliches Phänomen: Rund 70 Prozent der hungernden Menschen leben auf dem Land. Sie sind zu arm, um (gesundes) Essen zu kaufen oder in ihrer Region mangelt es an bezahlbaren Lebensmitteln. Das was Kleinbauernfamilien erwirtschaften, reicht oft kaum zum Überleben. Kommt es dann noch zu einer Krisensituation, einem politischen Konflikt oder einer Naturkatastrophe, wird aus dem Bisschen: Nichts. Und aus dem täglichen Kampf ein Überlebenskampf. Denn die Folgen des Klimawandels, übernutzte natürliche Ressourcen und einseitige, kurzfristig angelegte Landwirtschaftsmethoden zerstören die Lebensgrundlage der Kleinbauern. Die rund zwei Milliarden Menschen, die weltweit in ländlichen Regionen leben, sind überproportional von Hunger, Armut und Vertreibung betroffen. Dabei sind sie es, die 80 Prozent der Weltbevölkerung ernähren.

Starkes Saatgut für die Zukunft: Bildung

Don Bosco unterstützt Kinder und Jugendliche und ihre Familien durch Schulunterricht und landwirtschaftliche Bildungsangebote. Dadurch entwickeln sich ländliche Räume weiter und geben jungen Menschen eine Zukunftsperspektive sowie die Chance auf ein sicheres Einkommen und menschenwürdige Arbeit in ihrer Heimat.

Durch landwirtschaftliche Trainings zu nachhaltigen und produktiven Anbaumethoden, Wissen über Viehzucht und kaufmännisches Know-How werden die Rechte der Kleinbauern und -bäuerinnen kollektiv gestärkt. Begleitet durch Gesundheitsmaßnahmen und medizinische Versorgung sowie Investitionen in Infrastrukturen können Hunger, Mangelernährung und Armut auf dem Land erfolgreich gemindert und dauerhaft bekämpft werden.

Zum Beispiel: Nordostindien

Nutzgärten gegen Hunger in den Bergen Nordostindiens

Im indischen Bundesstaat Meghalaya ist jedes zweite Kind unter fünf Jahren mangelernährt und deswegen unterentwickelt. Vor allem in den ländlichen Regionen bekommen sie schon im Mutterleib zu wenig Nährstoffe. In den Dörfern der kargen und abgeschiedenen Bergregion der Jaintia Hills im Kohlegürtel von Meghalaya unterstützt Don Bosco die Familien mit Nutzgärten, Gesundheitsversorgung und Schulungen. Gemeinsam mit den Müttern richtet Don Bosco in drei Dörfern Nutzgärten ein. Sie erhalten Trainings zu biologischer Landwirtschaft und bekommen das passende Saatgut, Schattennetze und Materialien für Zäune gestellt. Von jedem Garten profitieren so pro Dorf rund 25 Haushalte, in denen nun die Ernährung und Gesundheit der Kinder verbessert ist.

Denn der Anbau von Ost und Gemüse trägt zur Ernährungssicherung bei. Gleichzeitig schafft er Bewusstsein für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Darüber hinaus werden die Mütter in biologischen und nachhaltigen Anbaumethoden geschult, lernen, wie man kompostiert und Regenwasser zur Bewässerung der Gärten auffängt. In regelmäßigen Abständen werden die Dorfkinder medizinisch untersucht und betreut. Ist ein Kind schwer unterernährt, wird es durch Nahrungsergänzungsmittel sofort versorgt.

Frau in ihrem Nutzgarten in Nordostindien

Viele Kinder in den drei Dörfern sind wegen der Mangelernährung unterentwickelt. Ihre Mütter werden nun zu Kindergesundheit und gesunder Ernährung geschult.

Nutzgarten in Nordostindien

In den Nutzgärten wenden die Mütter die Inhalte der Trainings zu biologischer Landwirtschaft an. Sie bekommen Saatgut und Materialien für Zäune gestellt.

Kinder auf einem Feld in Nordostindien

Auch die Kinder helfen begeistert in den Gärten, die zur Nahrungsmittelsicherheit und einer verbesserten Gesundheitssituation aller beitragen.

Ausbildung gegen Armut in Nordostindien

In Nongstoin in den Khasi Hills bekämpft Don Bosco Armut durch berufliche und landwirtschaftliche Ausbildung für benachteiligte Jugendliche. 965 junge Frauen und Männer zwischen 15 und 25 Jahren werden im Don Bosco Berufsbildungszentrum in Nongstoin ausgebildet. Neben der Landwirtschaft werden auch Kurse in Gastronomie, Tischlerei, Elektroinstallation und KfZ-Mechatronik angeboten.

Diese Kenntnis und Fertigkeiten werden in der entlegenen Bergregion gebraucht und geben der jungen Landbevölkerung die Chance auf ein sicheres Einkommen zur Verbesserung ihrer Existenzgrundlage. So können sie sich und ihre Familien ausreichend versorgen und einen Weg aus der sozialen Ausgrenzung finden.

Bergregion Nordostindien Landwirtschaft Berufliche Bildung Don Bosco Salesianer Don Boscos

In der entlegenen Bergregion der Khasi Hills gibt es kaum Perspektiven für die junge Landbevölkerung: Kaum Bildungschancen und noch weniger Jobs.

Bergregion Nordostindien Landwirtschaft Berufliche Bildung Don Bosco Salesianer Don Boscos

Bei Don Bosco bekommen die Jugendlichen echte Zukunftschancen: Durch eine Ausbildung können sie Einkommen für sich und ihre Familie erwirtschaften.

Auszubildendengruppe vor der Berufsschule in Nordostindien

Schon bald wird das neue Don Bosco Ausbildungszentrum in Nongstoin fertig gestellt. Schon jetzt können interessierte Jugendliche "reinschnuppern".

Zum Beispiel: Swasiland

Landwirtschaft zur Reintegration von Straßenkindern in Swasiland

Viele Kinder und Jugendliche in Swasiland müssen ihre Familien verlassen und landen auf der Straße. Das Geld der Eltern reicht oft nicht für die Versorgung aller. Die Familien sind arm. HIV und AIDS sind weit verbreitet und machen viele Jugendliche zu Vollwaisen ohne Ausbildung und Zukunftsperspektive. Sie leben in den Townships der größten Stadt des Landes, am Rande von Manzini.

Don Boscos Schlüssel im Kampf gegen diese Armut und als Weg in eine selbstbestimmte Zukunft sind auch hier Bildung und Ausbildung. In einem neuen Ausbildungszentrum lernen 150 ehemalige Straßenkinder alles über Pflanzenanbau, Imkerei oder Schweinezucht. Hier gibt es auch Betten und Essen für alle. In der sicheren Umgebung leben die Kinder und Jugendlichen wieder auf, entdecken Talente und Kreativität – und "ganz nebenbei" sichern sie sich eine neue Zukunft.

Damit sie in der Welt außerhalb der schützenden Mauern wieder zurecht kommen, lernen sie hier praktische und arbeitsmarktorientierte Fähigkeiten. Damit können sie sich ausreichend versorgen und werden wieder Teil ihrer Familie und Gemeinde.

nachhaltige Landwirtschaft in Swasiland

Ehemalige Straßenkinder bekommen durch landwirtschaftliche Trainings die Chance auf ein eigenes Einkommen.

nachhaltige Landwirtschaft in Swasiland

Mit dieser neuen Selbstständigkeit gelingt auch die Reintegration der ehemaligen Straßenkinder in ihre Familien und Gemeinden.

nachhaltige Landwirtschaft in Swasiland

Ernten, was man sät: Stärke, Selbstvertrauen und neues Selbstbewusstsein helfen den ehemaligen Straßenkindern beim Neustart.

Auf dem Weg zur UN-Erklärung für Kleinbauern und -bäuerinnen

Mit der geplanten UN-Erklärung zur Stärkung der Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen soll sich die Lage der Menschen auf dem Land entscheidend verbessern. Sie wird voraussichtlich im Juni 2018 im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen verabschiedet. Bis zu ihrer endgültigen Abstimmung im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen im Juni 2018 bleibt jedoch noch viel zutun.

Erst kürzlich diskutierten vom 9. bis 13. April 2018 VertreterInnen von Regierungen, Kleinbauernverbänden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und MenschenrechtlerInnen in Genf ein weiteres Mal über zentrale Inhalte der Erklärung. Ein großer Dämpfer ist bis dato die Haltung der EU und Deutschlands, das im Vorfeld auf EU-Ebene seine Position zur geplanten UN-Erklärung abgab und sich von der EU vertreten ließ. Die Arbeitsgemeinschaft für ländliche Entwicklung e.V., Brot für die Welt, Oxfam, Welthungerhilfe  uvm. haben den aktuellen Stand der Verhandlungen in einer gemeinsamen Stellungnahme zusammengefasst und bewertet.

Im Ergebnis wurden alle Rechtsneuerungen, welche Kleinbauern und Kleinbäuerinnen gegenüber anderen Gruppen besondere Rechte und Schutz ermöglicht hätten, von der EU-Vertretung systematisch abgelehnt. Dabei sei es immens wichtig,  Kleinbauern und -bäuerinnen Kollektivrechte zuzusichern, sowie das Recht auf Ernährungssouveränität zu stärken.

Deutschland bzw. die Bundesregierung sollte auf dem Weg zu einer solidarischen Weltgemeinschaft (und vor dem Hintergrund, dass Landwirtschaft in Deutschland nur noch eine untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung hat) insbesondere für die Rechtewahrung von Kleinbauern und -bäuerinnen eintreten. Nur wenn niemand im ländlichen Raum vergessen wird, kann Armut und Ungleichheit gemindert werden.