Wiederaufbau auf den Philippinen nach dem Taifun Hajyan

Mit vereinten Kräften bauen die Bewohner der Philippinen und Don Bosco wieder auf, was Taifun „Haiyan“ im November 2013 an Verwüstungen hinterlassen hat.

Aus der Not wird eine Tugend – gemeinsamer Wiederaufbau auf den Philippinen

Am 11.11.2013 zerstörte der Taifun „Haiyan“ die Lebensgrundlage von Millionen Menschen auf den Philippinen und kostete mehr als 6.000 das Leben. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h hinterließ „Haiyan“ eine Schneise der Verwüstung – mehr als 600.000 Häuser wurden komplett zerstört. Dank vieler Spenden hat Don Bosco die in Not geratenen Menschen vom ersten Tag an tatkräftig unterstützt. Über 40.000 Familien wurden mit Nahrung, Wasser, Kleidung und medizinisch versorgt. Hunderte Freiwillige, unter ihnen viele Schülerinnen und Schüler, schnürten insgesamt rund 150.000 Hilfspakete und verteilten sie an die notleidende Bevölkerung. Die Pakete bestehen aus zwei Kilogramm Reis, vier Dosen Fisch oder Fleisch, drei Paketen Nudeln und zwei Liter Trinkwasser. Ausgerichtet an den Bedürfnissen in den Regionen wird die Zusammenstellung ergänzt oder abgeändert. Auch Kerzen, Zelte und Benzin für den Transport gehören dazu. Desweiteren werden landwirtschaftliche Geräte und Saatgut, Fischereiausrüstung und Schreinerwerkzeug verteilt und berufliche Weiterbildungen ermöglichen es den Menschen, ihre wirtschaftliche Existenz wieder aufzubauen.

Ungewöhnliche Schreibunterlage: Dieses kleine Mädchen malt mit Kreide auf einem Tanker,

... den der Taifun Haiyan wie Spielzeug an Land gespült und umhergewirbelt hat.

Auszubildende der Don Bosco Berufsschulen helfen selbstverständlich mit ihrem Können und ihrer Zeit.

Gemeinsam bauen wir ein Dorf

Das Fischerdorf Candahug liegt nur einen Kilometer von Tacloban, dem Zentrum der Zerstörung, entfernt und wurde vom Taifun dem Erdboden gleichgemacht. Viele Männer hatten sich der Evakuierung widersetzt und blieben in ihren Häusern, um ihr Hab und Gut zu schützen. Sie bezahlten das mit ihrem Leben – und nun standen Frauen, Kinder und Alte hilflos vor der Mammutaufgabe Wiederaufbau.

„ARC“ ist die Antwort der Salesianer Don Boscos auf diese Herausforderung: „Adopting and Rebuilding a Community“ („Annahme und Wiederaufbau einer Gemeinde“). Und das heißt, dass Don Bosco den nachhaltigen Wiederaufbau der Häuser, Straßen, Kirchen und Schulen in Candahug gemeinsam mit der Bevölkerung angeht – beschlossene Sache nach Absprachen zwischen den Bewohnern, dem Bürgermeister und dem Katastrophenbeauftragten. Don Bosco koordiniert von Beginn an den Wiederaufbau, organisiert Baumaterial und gewährleistet eine fachkundige Begleitung durch Ingenieure. Die Bevölkerung packt so gut sie kann mit an und übernimmt Bau- und Räumarbeiten. Den Dorfbewohnern ist es wichtig, ihren Teil zum Wiederaufbau des Dorfes beizutragen.

Interview mit Dr. Leah Samson, Leiterin der Don Bosco Projektarbeit auf den Philippinen

Das Wenige was wir haben, teilen wir Filippinos gerne

Dr. Leah Samson Don Bosco Philippinen

Dr. Leah Samson, Leiterin des Don Bosco Projekt- und Entwicklungsbüros (PDO), über Optimismus und Trauer, Solidarität und Zusammenarbeit, kleine Besitztümer, große Gefahren und die Zukunft.

Wie geht es den Menschen mittlerweile, die vom Taifun Hajyan getroffen wurden?

Die Filipinos sind ein optimistisches Volk, das Leben muss irgendwie weiter gehen. Wir halten immer noch Messen für die vielen Toten und die Menschen weinen um ihre Angehörigen und die großen Verluste, die sie erlitten haben. Und gleichzeitig feiern wir auch, machen kleine Feuerwerke und freuen uns, dass es weitergeht und wir hoffnungsvoller in die Zukunft schauen können.

Welche Maßnahmen werden ergriffen und was fehlt noch, um besser gegen solche Naturkatastrophen gewappnet zu sein?

Das Wichtigste, was wir Filipinos aus dieser Katastrophe gelernt haben ist, dass wir die Naturgewalten viel ernster nehmen müssen. Wir sind zwar Taifune gewöhnt, sie gehören für uns zur Normalität, aber jetzt sind wir - und auch die Regierung - sensibilisierter. Und wir sind sehr froh und dankbar für die schnelle und intensive Hilfe der internationalen Gemeinschaft und der Hilfsorganisationen.

Viele Menschen leben in sogenannten Risikogebieten. Warum bleiben sie dort?

Viele Menschen auf den Philippinen haben keinen anderen Besitz als ihr kleines Häuschen und das Stück Land, auf dem es steht. Dies wollen viele nicht verlassen, weil sie Angst haben, dass Ihnen dann jeglicher Besitz abhandenkommt. Aus diesem Grund blieben in Candahug so viele Männer bei ihren Häusern, so dass in diesem Ort nur noch sehr wenige Männer leben. Und es ist auch der Grund, warum einige Filipinos ihre neuen Häuser wieder in Hochrisiko-Gebieten bauen, denn genau dort gehört ihnen ein Stück Land.

Welche Spuren hat die Katastrophe in der Gesellschaft hinterlassen?

Es gibt immer Menschen, die solche Momente ausnutzen und z.B. plündern. Aber im Großen und Ganzen sind die Filipinos näher zusammengerückt. Das Land wurde durch dieses schlimme Ereignis geeint. Große Firmen verzichteten auf ihre Weihnachtsfeiern und spendeten stattdessen das Geld für die Betroffenen. Auch unsere Jungs im Boys Home ernteten Obst und Gemüse aus unseren kleinen Gärten und verkauften es in der Nachbarschaft. So kam zumindest eine kleine Summe zusammen, die sie unbedingt den Opfern schenken wollten. Wir Filipinos haben wenig zu geben, aber das, was wir haben, teilen wir gerne.

Eine Geschichte hat mich besonders beeindruckt: Ein junger Mann aus Candahug konnte sich vor der Flutwelle auf die Spitze eines Baumes retten. Von hier musste er mit ansehen, wie seine gesamte Familie und das Häuschen mitgerissen wurden. Er  konnte es nicht ertragen, in seinem Heimatdorf zu bleiben und ging in die Hauptstadt Manila. Doch als er dort von dem Wiederaufbau seines Dorfes durch Don Bosco erfuhr, kehrte er zurück und half dabei. Nun hat er in Candahug ein taifun-sicheres Häuschen, in dem er alleine wohnt. Die Nachbarn kümmern sich rührend um ihn. Wir alle hoffen, dass er eine Frau kennen lernt und eine Familie gründen kann.

Und Action!

Tatkräftige Unterstützung erhält die Dorfgemeinschaft von den Jugendlichen der Don Bosco Berufsschulen. Zahlreiche Auszubildende in Handwerksberufen haben sich freiwillig gemeldet und helfen den Familien. Und sie sind mit vollem Einsatz dabei! Sie freuen sich, ihre Kenntnisse anwenden und gleichzeitig ihren Mitmenschen helfen zu können. Jedes neue Haus hat einen separat liegenden, stabilen Schutzraum für Katastrophen, der gleichzeitig auch die Toilette beherbergt. Hier können die Dorfbewohner ihr Hab und Gut und auch sich selbst bei Starkregen und Wirbelstürmen in Sicherheit bringen. Der Taifun Haiyan hat gezeigt, dass so ein Schutzraum Leben retten kann!

Während der Bauphase reduzierte sich die anvisierte Zahl von 360 Häusern mit einem taifun-sicheren Schutzraum auf 242. Es stand weniger Bauland zur Verfügung als geplant, weil die Regierung Sicherheitszonen deklariert hat, in denen keine Häuser gebaut werden dürfen. Auch an die Schüler wurde gedacht und so entstehen vier sichere Schulgebäude im Umland.

Die insgesamt 242 taifun-sicheren Häuser in Candahug sind 20,25m² groß und haben je einen 4,5m² großen Schutz- und Lagerraum.

Die taifun-sicheren Schulen sind zweistöckig, so dass Wasser durch die unteren offenen Aulen strömen kann, ohne große Schäden anzurichten.

Die Jungs können endlich wieder lachen - und zur Schule gehen!

Wiederaufbau mit Weitsicht

Nach dem erfolgreichen Bau der Wohnhäuser, werden auch das Sozialzentrum, die Kapelle und die Schule in Candahug wieder aufgebaut. Insgesamt entstehen unter Federführung von Don Bosco neun sichere Schulgebäude in der betroffenen Region. Das heißt viele neue Klassenzimmer – und mehr Sicherheit für alle! Denn die Schulen stehen in bevölkerungsreichen und katastrophengefährdeten Gebieten und dienen als Evakuierungsort für alle Bewohner. Sie sind zweistöckig, so dass Wassermassen durch die unteren offenen Aulen strömen können, ohne besondere Schäden anzurichten. Außerdem werden hier regelmäßig Übungen für den Ernstfall durchgeführt.

Gerne geben wir Ihnen weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten und Projekten!

Andrea Schorn und Christin Suhr


Telefon: 0228-5396545
E-Mail: info[at]don-bosco-mondo.de

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