Delhi: Täglicher Kampf ohne ZukunftMedizinische Versorgung für Straßenkinder

Mit zahlreichen Angeboten ist Don Bosco an der Seite der Unsichtbaren und Schwachen

 

In der pulsierenden Metropole Delhi fristen Millionen Menschen in mehr als 3.000 Slums ein trostloses Dasein ohne Aussicht auf eine bessere Zukunft. Unter Autobahnbrücken und selbst auf Verkehrsinseln wohnen sie in notdürftig zusammengezimmerten Hütten, oftmals nur Zelten. Ihre Kinder sind diesem Schicksal in Armut und Hunger ausgeliefert – doch Don Bosco lässt diese Kinder und Jugendlichen nicht im Stich.

Kleine Diebin aus Verzweiflung

Mitten im Gewusel um den Kleinbus herum erwischt Krankenschwester Jyoti ein kleines Mädchen mit einer Medikamentenpackung in der Hand, das sich davonstehlen will. Sakshi erschrickt, als Jioty sie anspricht und bricht in Tränen aus. Sie möchte ihrer Schwester helfen, die seit Tagen mit Fieber und Schüttelfrost zuhause leidet. Sie hat nur die Medikamente im Kleinbus und damit ihre Chance gesehen – und weil sie weder lesen noch schreiben kann, dabei wahllos zu einem Desinfektionsmittel gegriffen. Jioty tröstet sie erst einmal und holt Dr. Vijay dazu – denn sie beide sind heute das Team in der mobilen Klinik in Delhi.

Rettung in letzter Minute

Jioty und Dr. Vijay begleiten Sakshi nach Hause. Dort untersuchen sie die Kranke. Die Diagnose: Lungenentzündung. Schnellstens laden sie das Mädchen in den Kleinbus und bringen es ins nächstgelegene Krankenhaus. Hier wird sie behandelt und ist nach einigen Tagen wieder auf dem Damm. Zuhause wäre sie ohne Medikamente und Hilfe gestorben, denn ihren Eltern fehlt das Geld an allen Ecken. Nur der älteste Sohn besucht die Schule Sakshi soll verheiratet werden. 

Schicksalswende?!

Und dann trifft das Schicksal die Familie hart: Sakshis Mutter wird bei einem Unfall tödlich verletzt. Ihr Vater bleibt überfordert mit ihr und den vier Geschwistern zurück. Sakhsi ist mit ihren zwölf Jahren die zweitälteste und übernimmt viel Verantwortung. Vor dem Tod der Mutter ist sie jeden Morgen mit ihr in den Zügen der Großstadt unterwegs gewesen. Ihr Beitrag zum Familieneinkommen sind kleinere Diebstähle – sie weiß sich nicht anders zu helfen. Und doch genau dank einem dieser kleinen, unbedeutenden Diebstähle an der mobilen Klinik wendet sich ihr Schicksal zum Guten. Sakshi und ihre Geschwister kommen in die rettenden Hände von Don Bosco Ashalayam. 

Ashalayam heißt: „Heim der Hoffnung“

Don Bosco Ashalayam ist ein Wohnheim für die Kinder und Jugendlichen, die dem Leben auf der Straße den Rücken kehren wollen oder die aus armen Familien kommen. Hier finden sie Unterstützung und gewöhnen sich nach und nach wieder an ein geregeltes Leben. Sakshi geht jetzt zur Schule. Und statt viel zu jung verheiratet zu werden, kann sie ihren Traum verwirklichen und auch eine Ausbildung machen. Doch jetzt steht erst einmal die Abschlussprüfung der 6. Klasse an. Die wird sie gut meistern und davon ihrem Bruder erzählen. Der geht nun arbeiten und besucht sie regelmäßig. Sakhsi ist weiterhin für ihre jüngeren Geschwister da – nun aber mit einer besseren Aussicht auf eine selbstbestimmte Zukunft. 

Die Schwächsten stärken – Don Bosco in Delhi 

Der tägliche Kampf mit den Herausforderungen der Großstadt zehrt an den schmalen Körpern der Straßenkinder in Delhi: Sie leben im Dreck der Slums, oft ohne auch nur eine Mahlzeit am Tag. Kleine Schnittwunden oder harmlose Erkältungen können für sie lebensbedrohlich werden. Von einem eigenen Bett oder heilender Medizin können sie nur träumen. Für viele Passanten und die Behörden sind sie unsichtbar oder gar ein lästiges Übel. Doch Don Bosco verliert sie im pulsierenden Trubel der Großstadt seit 1997 nicht aus den Augen. 

An den großen Bahnhöfen sowie den einschlägigen Treffpunkten der Straßenkinder, ist Don Bosco mit Sozialarbeitern in kleinen Teams unterwegs. Außerdem sensibilisiert Don Bosco Bahnpersonal und Polizei, unterhält eine Telefonhotline und ist im ständigen Dialog mit den lokalen Behörden. So gelingt es, dass immer mehr Kinder erfolgreich von der Straße geholt und in die Hände von Don Bosco übergeben werden. Um aber auch für die, die der Straße noch nicht den Rücken kehren können und die Bewohner in den Slums da zu sein, kommt die mobile Klinik zum Einsatz: Täglich fahren die medizinische Assistentin Jyoti und Dr. Vijay im Wechsel mit einem zweiten Team feste „Haltestellen“ in Delhi an. Unterwegs sind sie dabei in einem aufgerüsteten Kleinbus.

Nächste Haltestelle: Fürsorge 

Eine der Haltestellen ist Jama Masjid, die größte Moschee des Landes. Sie liegt zentral und der Bus ist hier gut sichtbar für alle, die Hilfe brauchen. Wenn der Bus um die Ecke gerollt kommt, stehen die kleinen Patienten schon Schlange. Pro Stopp können jeweils um die 30 Kinder behandelt werden. Oft sind die Erkrankungen ähnlich: Viele kleine Verletzungen, Hundebisse, Entzündungen, Hauterkrankungen, Mangelerscheinungen durch Unterernährung oder Wurmbefall. Jyoti hat den Vorrat an gängigen Medikamenten und Vitaminen im Blick. Dr. Vijay kann auf grundlegendes medizinisches Equipment im Bus zurückgreifen. So können die meisten Fälle unter freiem Himmel erfolgreich behandelt werden. Diagnose und Medikation werden notiert, Genesungsverläufe beobachtet. In jedem Slum gibt es einen Zuständigen, der sich bei den Ärzten meldet, falls sich der Zustand eines Patienten verschlechtert.

Einen anderen Stopp legt der Kleinbus im Slum Usmanpur am Rand der Großstadt ein. Täglich kommen hier rund 80 Kinder in einem „Klassenraum“ – der eigentlich eher ein Verschlag als Raum ist – zusammen, um zu lernen. Einmal in der Woche wird er zum dankbar genutzten Sprechzimmer für die Bewohner des Slums.
 

Miriam Zoeller und Andrea Schorn Spenderservice

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