Hoffnung und Zukunft für Straßenkinder auf Haiti

In Haiti finden obdachlose Kinder und Jugendliche bei den Salesianern Don Boscos Schutz, Bildung und Zukunftschancen.

Endstation Straße? Kein Kind darf verloren gehen!

Einst galt Haiti als Perle der Karibik – heute ist es ihr Armenhaus. Die meisten Haitianer leben von weniger als einem Euro am Tag. Tausende Kinder leben in den großen Städten Haitis auf der Straße. Entweder müssen sie die Schule verlassen und arbeiten gehen, damit ihre Familien überleben können. Oder aber sie flüchten vor Gewalt und Lieblosigkeit auf die Straße – auf der Suche nach einem besseren Leben. Dazu beigetragen haben auch das verheerende Erdbeben im Januar 2010 und Hurrikan Matthew, der das Land Anfang Oktober 2016 erneut erschütterte. Don Bosco leistete Nothilfe und unterstützt den nachhaltigen Wiederaufbau. Im Don Bosco Straßenkinderzentrum "Lakay" finden obdachlose und vernachlässigte Kinder und Jugendliche ein neues Zuhause. Mit Schulunterricht und beruflicher Bildung gibt ihnen Don Bosco die Chance auf ein selbstständiges Leben in Würde.

Tausende Kinder leben in den großen Städten Haitis auf der Straße. Dort sind sie Gewalt und Missbrauch ungeschützt ausgeliefert.

Im Don Bosco Straßenkinderzentrum "Lakay" finden sie einen geschützten Platz, um ihre Fähigkeiten und ihre Persönlichkeit zu entwickeln.

Pater Stra SDB engagiert sich seit 30 Jahren für Kinder und Jugendliche in Haiti und ist Gründer der Straßenkinderprogramme "Lakay".

Drei Stufen in ein neues Leben

 

Alle Straßenkinder träumen von einem besseren Leben abseits der Straße, doch ihre negativen Erfahrungen in ihren Familien und mit den Behörden haben sie misstrauisch gegenüber Erwachsenen gemacht. Die Salesianer Don Boscos wissen, dass sich die Jungen und Mädchen zwar nach einem Zuhause sehnen, aber viel Zeit brauchen, um Vertrauen aufzubauen. Behutsam und mit Liebe und Respekt  werden sie an einen festen Tagesablauf gewöhnt. Immer mit dem Ziel, die Straßenkinder durch schulische und berufliche Bildung zu einem selbstständigen Leben zu befähigen und – wenn möglich – in ihre Familien zurück zu vermitteln. Über drei Stufen führt der Weg von der Straße zurück in die Mitte der Gesellschaft:

Erste Stufe: "La Rue"

Streetworker knüpfen erste Kontakte zu den Kindern und Jugendlichen auf der Straße ("La Rue"). Oft ist es ein langer Prozess bis sie sich den Sozialarbeitern gegenüber öffnen. Sie bauen behutsam eine respekt- und vertrauensvolle Beziehung zu ihnen auf.

"Ich putzte gerade ein Auto, da wurde ich von einer jungen, lächelnden Frau angesprochen. In den Wochen danach besuchte sie mich immer wieder. Eines Tages erzählte sie mir von einem Ort, den sie "Lakou" Don Bosco nannte: Ein schöner geschützter Ort, wo die Kinder kommen und gehen können, wann sie wollen, so sagte sie mir. Das war ein wichtiger Punkt für mich, ich wollte doch meine Freiheit behalten." erzählt ein Junge aus Cap Haitien.

Zweite Stufe: "Lakou"

"Lakou" bedeutet "der Hof" und ist die erste Anlaufstelle für Straßenkinder. Hier können die Kinder und Jugendlichen sich waschen, etwas essen, spielen und handwerklich aktiv werden – aber jederzeit auch wieder gehen. Über 300 kommen jeden Tag hierher. Wer regelmäßig kommt, an schulischen und non-formellen Ausbildungen in den Werkstätten von "Lakou" teilnimmt, kann mit der dritten Stufe des Programms beginnen und der Straße endgültig den Rücken kehren.

Dritte Stufe: "Foyer Lakay"

"Foyer Lakay" bedeutet "das Zuhause": Hier leben zurzeit 60 Jungen. Sie gehen zur Schule und absolvieren eine Ausbildung in den Bereichen Tischlerei, Schweißerei, Elektrik, Kälte- und Kühltechnik oder Schneiderei. Erst letztes Jahr wurden im Zentrum zwei neue Werkstätten gebaut und mit Werkzeug ausgestattet. Die Kinder und Jugendlichen bleiben im Schnitt vier bis fünf Jahre, in denen sie die Sekundarschule und eine Ausbildung erfolgreich abschließen. Zu ihrem  Abschluss erhalten sie einen Werkzeugkasten als Starthilfe in das Berufsleben.

Gemeinsam leben und lernen: Durch die Befähigung der Kinder und Jugendlichen wird ein Neuanfang fernab der Straße möglich.

Neben dem Schulunterricht erlernen die Jugendlichen ein Handwerk. Zur Auswahl stehen Tischlerei, Kühl- und Kältetechnik, Schweißerei und Schneiderei.

Bildungsrückstände werden aufgearbeitet, handwerkliche Fähigkeiten gelernt – der ganzheitliche Ansatz Don Boscos ebnet den Weg für die Reintegration in die Gesellschaft.

Dass die Jungen lernen sich zu öffnen, ist auch den Hühnern und Schweinen zu verdanken, die zum Zentrum gehören.

Gleichzeitig lehren sie die Kinder und Jugendlichen, Verantwortung zu übernehmen, indem sie sich gut um die Tiere kümmern.

Edgar gehörte bis vor kurzem zu den tausenden Waisen und Straßenkindern, die in Haitis Großstädten ums Überleben kämpfen. Die Gemeinschaft einer Gang war sein Familienersatz. Körperliche Arbeit, Dreck, Hunger, Kriminalität und Gewalt gehörten zu seinem Alltag. Er erlebte die Zeit im Schoße seiner Gang als Achterbahnfahrt zwischen Hass, Verzweiflung, Glück und Angst. "Was mir besonders weh tat, war die Verachtung und Missachtung, die uns entgegengebracht wurde", erzählte der Junge rückblickend.

Nach drei Jahren auf der Straße hat Edgar bei den Salesianern Don Boscos in Cap Haitien einen sicheren Ort und Hoffnung gefunden. Der 14-jährige musste erst wieder lernen zu vertrauen, bevor er offen war für Schulunterricht, Musik, Sport und die neue Gemeinschaft. Jetzt nimmt er am Schulunterricht teil und lernt zu tischlern – das gibt ihm viel Zuversicht und Selbstvertrauen für die Zukunft.

Pater Attilio Stra SDB erlebte die harte Realität der Straßenkinder in Haiti bereits 1988 hautnah. Als Leiter einer technischen Berufsschule in der Hauptstadt Port-au-Prince musste er täglich bettelnde Kinder abweisen. Er beschloss diesen Zustand nicht länger hinzunehmen, sondern den Kindern und Jugendlichen zu helfen und sie von der Straße zu holen. Der Grundstein für die Straßenkinderprogramme "Lakay" in Haiti - erst in Port-au-Prince und jetzt in Cap Haitien war gelegt. Seitdem wird die Arbeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche kontinuierlich und nachhaltig ausgebaut. Pater Pierre Lephène SDB leitet eins der Zentren und berichtet: "Viele der Jungs haben es zurück in die Gesellschaft geschafft! Manche haben sogar studiert und sind Pädagogen geworden, die nun ebenfalls mit Straßenkindern arbeiten".

Gerne geben wir Ihnen weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten und Projekten!

Andrea Schorn und Christin Suhr


Telefon: 0228-5396545
E-Mail: info[at]don-bosco-mondo.de

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