Arbeit mit jugendlichen Straftätern

Im Anschluss an seine Priesterweihe und während der pastoralen Ausbildung am Collegio ecclesiastico von Turin gehörten Krankenhaus- und Gefängnisbesuche zu Don Boscos Aufgaben. Am stärksten berührte ihn dabei, in den Haftanstalten Jugendliche ab 12 Jahren mit Schwerverbrechern zusammengesperrt zu sehen.
Als 1845 in Turin eine erste Jugendhaftanstalt eröffnet wird, ist selbstverständlich, dass er sich der dort inhaftierten annimmt. Von den jugendlichen Straftätern akzeptiert, wagt er 1854 ein Abenteuer, einen Tagesausflug mit den Strafgefangenen in die freie Natur zum Abschluss der von ihm im Gefängnis gehaltenen Exerzitien.
Die Ablehnung durch den Gefängnisdirektor vermag Don Bosco nicht von seinem Plan abzubringen. Er geht bis zum Innenminister Rattazzi, einem als antiklerikal bekannten Politiker, verbürgt sich ihm gegenüber für die Rückkehr der Gefangenen und erhält schließlich die gewünschte Erlaubnis zu dem geplanten Ausflug mit den jugendlichen Gefangenen ohne polizeiliche Überwachung – vielleicht in der stillen Hoffnung des Ministers, der immer populärere Priester werde zumindest bei diesem Vorhaben scheitern und könne dann endlich in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht werden.
Als Don Bosco nach dem Landausflug auf einem Esel reitend zwischen einer Schar lärmender Jugendlicher in die Haftanstalt zurückkehrt, fehlt beim Zählappell nicht ein einziger.
Vom Minister Rattazzi bei einem späteren Zusammentreffen befragt, wie er es schaffe, dort Erfolge zu erzielen, wo der Staat scheitere, lautete die Antwort Don Boscos: „Der Staat befiehlt und bestraft, ich arbeite mit Nächstenliebe.“

