Die wichtigsten Merkmale

- © Eric Miller
Was die Schul- und Berufsbildungszentren der Salesianer Don Boscos besonders auszeichnet – hier die wichtigsten Merkmale:
Enge Verzahnung von Praxis und Theorie
Vormittags besuchen die Jugendlichen eine Grund- oder Hauptschule, die zwei Jahre dauert. Neben lesen und schreiben lernen sie dort rechnen und die Amtssprache des Landes. Das ist nötig, weil viele nur ihre Stammessprache sprechen und deshalb z.B. nicht mit Behörden verhandeln können. Der Stundenplan richtet sich nach den Vorschriften des Landes, die Lehrer sind Ortskräfte. Wichtig: Kleine Klassen, die aus sechs bis maximal 10 Schülern bestehen – denn viele müssen sich nach Jahren auf der Straße oder als Sklavenarbeiter erst mal wieder an Konzentration und Stillsitzen gewöhnen. Was die Kinder vormittags gelernt haben, müssen sie nachmittags anwenden. Dann steht arbeiten in den Lehrwerkstätten auf dem Programm. So lernen sie z.B. im Mathe-Unterricht Flächenberechnung, bauen danach in der Lehrwerkstatt ein Regal zusammen.
Orientierung am Markt
Je nach Bedarf von Region oder Land betreiben die Salesianer Textilwerkstätten, Schreinereien, Klempnereien, bieten EDV-Kurse, eine Ausbildungen zum Graphiker/-in oder Informatiker/-in an. In den Küstenregionen Sri Lankas steht unter anderem Bootsbau auf dem Programm, im ländlichen Peru moderne Methoden von Ackerbau, in Vietnam die Reparatur von Mofas und Fahrrädern. Neben einer zwei- bis dreijährigen Ausbildung können die Jugendlichen Zusatz-Qualifikationen erwerben: Schreiner den Gabelstaplerschein machen, Metaller schweißen lernen – erleichtert einen Berufswechsel, falls sich die lokale Nachfrage verändert.
Schule und Ausbildung sind erschwinglich
Wenn die Eltern völlig mittellos sind, übernehmen die Salesianer die Schulgebühren und die Kosten für Schuluniform und Bücher. Doch in den meisten Ländern verlangen sie eine kleine Gebühr zwischen 5 und 10 Prozent des ortsüblichen Schulgelds. Grund: Wenn Bildung nichts kostet, hat sie für die meisten Familien auch keinen Wert. Darüber hinaus bekommen die Mädchen und Jungen in der Schule mindestens ein Mittagessen – für viele die einzige Mahlzeit am Tag.
Flexibler Unterricht
Vormittags Schule, nachmittags Arbeit: Diese Regelung ist kein Muss. Wer schon die staatliche Schule besucht hat, kann auch nur die praktische Ausbildung machen oder erst mal grundlegende Techniken wie Sägen oder Mauerbau lernen. Analphabeten haben die Möglichkeit, neben der Ausbildung stundenweise zur Schule gehen, minderjährige Schuhputzer oder Straßenhändler kommen nach der Arbeit zum Lernen vorbei. An Wochenenden und am Abend gibt’s Kurse für Schulabbrecher und Eltern, zum Beispiel im Lesen und Schreiben, Nähen oder Hauswirtschaft.
Offenheit für alle Schüler
Egal, welche Konfession, Geschlecht, Hautfarbe oder Stammeszugehörigkeit: Wir nehmen alle Jugendlichen auf, die etwas lernen wollen. So sind etwa in Israel die Mehrheit der Schüler muslimische Araber, in Bangkok überwiegend Buddhisten, auf den Philippinen meist Christen, weil das Land christlich geprägt ist. Voraussetzung: Sie stammen aus armen Familien oder zerrütteten Verhältnissen, sind z.B. benachteiligt durch Behinderung, sexuellen Missbrauch oder Gewalttätigkeit der Eltern.
Zusammenarbeit mit Eltern und Ausbildern
Wenn ein Jugendlicher zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen will, suchen die Salesianer die Unterstützung der Eltern oder zumindest eines Elternteils. Sozialpädagogen kümmern sich um verhaltensauffällige Kinder. Ausbilder, Sozialarbeiter und Ordensmitglieder sprechen sich regelmäßig ab, erstellen Förderpläne für jeden Schüler. Das fördert Motivation und Durchhaltevermögen, beugt Krisen und Schulabbrüchen vor.
Kreative Freizeitgestaltung
Zu den meisten Don Bosco-Einrichtungen gehört ein Jugendzentrum mit Hof. Dort treffen sich Schüler, Azubis und Jugendliche aus der Umgebung zum Fußball, basteln oder Theater spielen. Grund: In vielen Entwicklungsländern müssen Jungen und Mädchen bei der Feldarbeit oder im Haushalt helfen. Der Hof und das „Oratorium“ sind deshalb der einzige Ort, an dem sie sich austoben und Kind sein dürfen. Und: Spiele wecken Interesse am Lernen, fördern Teamgeist und Kreativität – Fähigkeiten, die im Job zählen.
Erfolgskontrolle
Don Bosco JUGEND DRITTE WELT verlangt einen Nachweis über den Verbleib ehemaliger Absolventen und wertet die Abschlüsse der weltweiten Zentren aus. In den meisten Ländern bauen wir derzeit Verbände von Ehemaligen auf. In Ghana haben wir z.B. Existenzgründerprogramme für Jugendliche, die ihre Ausbildung bei uns beendet haben und sich selbständig machen wollen. Durch die Rückzahlung der Kredite (zwischen 400 und 4000 Euro) wissen wir, wer erfolgreich ins Berufsleben gestartet ist und wer nicht. Unsere Projektleiter besuchen zudem regelmäßig die Don Bosco-Zentren und überprüfen, ob die Berufsausbildung den Bedürfnissen der lokalen Wirtschaft folgt oder neue Lehrgänge nötig sind.
Wertevermittlung
Bei der Ausbildung der Jungen und Mädchen achten wir auf Fleiß, Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen, fördern Selbstvertrauen wie z.B. den Stolz darauf, etwas aus eigener Kraft geschafft zu haben. Bei der Arbeit lernen sie, Konflikte friedlich zu lösen und mit Kritik umzugehen. Durch den Umgang mit Jugendlichen aus verschiedenen Bevölkerungsschichten und Religionsgemeinschaften üben sie Respekt und Toleranz. In Gesprächsrunden werden unter anderem Verantwortung für andere und Fürsorge vermittelt – christliche Werte, deren Ziel der Aufbau einer gerechten und solidarischen Gesellschaft ist.
© Jean Paul Muller, Don Bosco JUGEND DRITTE WELT





