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Impuls aus Rom - Gedanken von Jean Paul Muller

Anfang Juli feierten wir in Bonn den 85. Geburtstag meines Amtsvorgängers als Missionprokurator, Pater Karl Oerder. Er war bei seiner Geburt einer von zwei Milliarden Menschen. Nun verkündet der UNO-Weltbevölkerungsbericht, dass heute offziell sieben Milliarden Menschen auf der Erde leben. Die Weltbevölkerung ist allein innerhalb der letzten zwölf Jahre um eine Milliarde gewachsen. Und das Wachstum wird weitergehen, sagen die Experten. Für uns in Mitteleuropa ist dies kaum vorstellbar, sehen wir doch kaum noch Kinder auf unseren Gehwegen und in den Geschäften. Doch es liegt nicht nur an der Zunahme von Geburten, dass die Bevölkerung wächst, sondern daran, dass wir älter werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung stieg von 48 Jahren Anfang der 1950er Jahre auf rund 68 Jahre im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. «Heute sind 893 Millionen Menschen älter als 60 Jahre. In der Mitte des Jahrhunderts wird diese Zahl auf 2,4 Milliarden steigen», teilte der Direktor des Uno-Bevölkerungsfonds UNFPA, Babatunde Osotimehin in New York mit. 

Ich komme soeben aus San Salvador zurück und hatte dort viele Gespräche mit meinen Mitbrüdern aus Lateinamerika. Dort ist das Problem der wachsenden Großstädte eine enorme Herausforderung, ebenso die Immigration in die USA und Kanada, sowie bekanntlich auch die extrem hohe Gewaltbereitschaft, besonders unter den Jugendlichen. Die wachsenden Metropolen sind bereits jetzt ein ungelöstes Problem für die Politik, die Kirchen und die Wirtschaft. In diesen Städten zerfallen Regeln, Gesetze und Traditionen. Es fehlt den jungen Menschen an Orientierung und Anleitung für den Umgang mit ihren wichtigen Lebensfragen, für das Auffinden der eigenen Talente und für den Aufbau von langfristigen und tragfähigen Beziehungen. Für uns Salesianer Don Boscos ist deutlich, dass wir uns intensiver darum bemühen müssen, in den Städten präsent zu sein, dort zu sein wo Leben entsteht und Gefahr läuft, schnell zu vergehen. Unsere bisherigen Zentren mit ihren schützenden Spielhofmauern, mit ihren Unterrichtsangeboten und der informellen Berufsausbildung sind unsere Antwort auf die Frage nach Leitbildern, nach Freundschaft und Verlässlichkeit und nach Gott.  Die Meldungen über die Geschwindigkeit des Wachstums der Menschheit, betont die Wichtigkeit für wirksame Bildungskonzepte.

Während wir in Deutschland und anderen Ländern eher die Sorge haben, dass zu wenige Kinder geboren werden und die Bundesregierung mit finanziellen Anreizen versucht die Geburtenzahlen zu erhöhen, gibt es anderswo sehr hohe Geburtenraten – besonders unter den Ärmsten in den Favelas und den Slums. Sie weisen uns auf den Bedarf nach Schutz, Aufklärung und Bildung, besonders von jungen Frauen hin. Die Ansätze unserer Förderprogramme, besonders für junge Frauen in Asien und Afrika, zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Wege sind, denn Asien wird laut dem UN-Bericht auch in Zukunft die bevölkerungsreichste Großregion der Welt bleiben. Dort leben heute 60 Prozent der Weltbevölkerung. Afrika wird aber stark aufholen, denn die dortige Bevölkerung wird sich von derzeit einer Milliarde Menschen bis zum Jahr 2100 auf 3,6 Milliarden Menschen mehr als verdreifachen. Angesichts der aktuellen Hungerkrise im Osten des Kontinents ist diese Entwicklung eine besondere Herausforderung. Es lohnt sich in jeder Hinsicht, dass wir unsere Zusammenarbeit mit den Don-Bosco-Projekten auf diesen beiden großen Erdteilen ausbauen und so einen Beitrag zu mehr Gesundheit, mehr Bildung, mehr Menschlichkeit und damit gleichzeitig zu weniger Streit, Krieg, Hunger und menschlicher Ausbeutung leisten.


In Verbundenheit
Br. Jean Paul Muller SDB