Evaluationen

Eine systematische und objektive Überprüfung der festgelegten Ziele und des Aufwands verbessern nachhaltig die Qualität von Projekten.

Durch Evaluationen sollen Nachhaltigkeit und Wirkung in der Entwicklungszusammenarbeit gesichert werden. Aber wie geht Don Bosco Mondo das Thema an? Ziel ist, die Projekte und Programme systematisch und objektiv daraufhin zu überprüfen, ob die festgelegten Ziele erreicht wurden sowie welcher personelle, organisatorische und finanzielle Aufwand notwendig war. Um daraus zu lernen, was gut lief, wo es schwierig war, was beim nächsten Projekt besser organisiert werden kann.

Zum Beispiel: Wirksames Engagement für Indiens "Haushaltssklavinnen"

Im Nordosten Indiens setzen sich die Don Bosco Schwestern für benachteiligte Domestic Worker ein. Aufklärung, Bildung und gewerkschaftliche Strukturen stärken und schützen marginalisierte junge Hausmädchen. Die Organisation „Ferrando Domestic Workers Alliance“ (FDWA) zählt bereits über 7.000 Mitglieder und meldet weitreichende Erfolge. Bald ist sie auch offiziell als Gewerkschaft registriert.

Der Ausweis ist der stolze Beweis, Teil einer schlagkräftigen Gewerkschaft für „Hausangestellte“ zu sein - und gibt Kraft und Selbstbewusstsein.

Regelmäßige Besuche vor Ort und der Austausch mit untereinander sichern den Erfolg der Projekte und sorgen für die notwendige Transparenz.

Kaum Rechte, keine Lobby, wenig Schutz

So viel Aufmerksamkeit gab es noch nie für die Belange der benachteiligten Hausangestellten im Nordosten Indiens: In zwölf Städten der sogenannten Sieben Schwesterstaaten hatten die Gewerkschafterinnen im Juni 2016 zur „North-East-Domestic Workers’ Week“ eingeladen. Mit Kundgebungen, Pressekonferenzen, Protestaktionen und einem international besetzten Runden Tisch soll die Lage der ausgebeuteten Frauen verdeutlicht und verbessert werden. Dass sich so viele Menschen für eine bessere Zukunft der Domestic Worker formieren und interessieren, war einzigartig. Sogar Abgesandte der Internationalen Arbeitsorganisation ILO waren da, um über die aktuelle Lage der Angestellten und konkrete Ziele zu sprechen. Indien soll die ILO Konvention 189 zum Arbeitsschutz unterzeichnen, so der einhellige Wunsch.
Im Gebiet der Sieben Schwesterstaaten im Nordosten Indiens leben rund 45 Millionen Menschen, davon arbeiten etwa 500.000 als Domestic Worker.
Meist sind es Mädchen oder junge Frauen aus armen Verhältnissen, die in fremden Haushalten unter widrigen Bedingungen Dienst tun. Sie arbeiten bis zu 18 Stunden täglich, meist für Hungerlöhne und unter psychischer, physischer und sexueller Gewalt. Mangels Wissen nutzen sie keine unterstützenden Hilfsangebote. Um für ihre Rechte einzustehen, fehlt vielen die (Ausdrucks-)Kraft und das Selbstbewusstsein.

Aus Sklavinnen werden große Schwestern

Die Don Bosco Schwestern unterstützen die Arbeiterinnen. Sie bieten ihnen Aufklärung, fachliches und persönliches Training, Beratung, Kinderbetreuung und Ermutigung. Die Betroffenen können und sollen sich gewerkschaftlich organisieren, um als Allianz für ihre Rechte zu kämpfen. Don Bosco Mondo und das BMZ unterstützen die Bewegung der FDWA.

„Früher waren wir die „Shakri“ (Sklavin). Nun sprechen uns viele respektvoller mit „Kong“ (große Schwester, Tante) an“, erzählt eine Gewerkschafterin.

Im März 2016 hat ein Vertreter von Don Bosco das Projekt besucht und mit den verantwortlichen Schwestern sowie Vertreterinnen der FDWA gesprochen. Die Erfolge sind beachtlich: Lohnerhöhungen, Schlichtungen im Streitfall mit dem Arbeitgeber, zuverlässige Kinderbetreuung sowie teilweise neue Arbeitsverträge mit besseren Arbeitszeiten und Sonderzulagen.

In manchen Regionen tragen die Frauen voller Stolz und Solidarität Uniform und Dienstausweis. Die Treffen der Domestic Worker geben ihnen Sicherheit, die Trainings stärken ihr Verhandlungsgeschick, Alphabetisierung und praktische Schulungen steigern ihren Marktwert und ihr Ansehen.

Evaluation: Überprüfen und anpassen

Nach der Hälfte der Laufzeit wurde das Projekt 2016 durch ein externes Gutachterteam evaluiert. Dabei stellte sich die regionale Koordinierungsebene als nicht effektiv heraus: die Größe der Region, die sprachlichen und die kulturellen Unterschiede, alles Gründe dafür, dass die regionalen Projektkoordinatorinnen nicht so optimal arbeiten konnte, wie dies geplant war. Die Evaluation zeigte auch, dass es schwierig war, qualifizierte Mitarbeiter zu den veranschlagten Gehältern zu finden und insbesondere sie zu binden.
Beide Aspekte wurden bei einer Projektbetreuungsreise zwischen lokalem Projektträger, Evaluationsteam und Don Bosco Mondo diskutiert und anschließend auch mit dem BMZ abgestimmt. Ergebnis: Die regionale Struktur wurde aufgelöst und gleichzeitig wurden die lokalen Strukturen gestärkt. Außerdem wurde das Gehaltsgefüge moderat angehoben. Die beiden Maßnahmen, die rasch erste Erfolge zeigten, konnten zudem kostenneutral realisiert werden.