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Null Toleranz bei Kinderrechtsverletzungen

„Wir wollen in die Schule gehen, lernen und uns eine bessere Zukunft aufbauen“, so die Forderung dieses Mädchen. Foto: Remil Thilak
„Wir wollen in die Schule gehen, lernen und uns eine bessere Zukunft aufbauen“, so die Forderung dieses Mädchen. Foto: Don Bosco Mission Bonn / Remil Thilak.

Father Thomas Koshy SDB ist Direktor des „Don Bosco National Forum for the Young at Risk” (YAR) in Neu-Delhi. Zusammen bekämpfen in diesem Netzwerk 84 Don Bosco-Einrichtungen schlagkräftig Kinderarbeit. Ihr nächster Schritt: Zehn indische Städte werden „kinderfreundlich“. Dort werden Kinderrechte gestärkt und Kinderarbeit abgeschafft – ein steiniger und langer Weg, wie uns Father Koshy im Interview berichtet. 

Was ist eine „kinderfreundliche Stadt“?

Father Koshy: In einer kinderfreundlichen Stadt herrscht eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Gewalt, Missbrauch oder der Ausbeutung von Kindern. Die Wahrung der Kinderrechte steht ganz oben auf der Agenda. Die Kommunalpolitiker müssen sich verpflichten, Kinderarbeit abzuschaffen. Nur dann können Städte sich als kinderfreundlich bezeichnen. In Vijayawada haben wir 1997 ein solches Projekt gestartet und gemeinsam mit der Stadt ein Forum für Kinderrechte gegründet. Das Forum wird vom Bürgermeister von Vijayawada geleitet. Von Anfang an war in Vijayawada auch die Polizei mit dabei. Daran sieht man, wie wichtig es ist, alle Stakeholder in diesen Prozess mit einzubeziehen und nicht nur als NGO aktiv zu werden.

Wir erklären Sie sich den Erfolg in Vijayawada?

Father Koshy: Don Bosco wurde von der Stadt beauftragt, bei der Bekämpfung von Kinderarbeit mitzuwirken. So hatten wir die Unterstützung von Polizei und Politik. Und wenn alle Beteiligten mit am Tisch sitzen, ist der Druck größer. Beispielsweise befindet sich das Büro für die Kinderhotline in einer Polizeistation. Wenn Kinder dort anrufen, können sich die NGO-Vertreter direkt an die Polizei wenden und um Hilfe bitten. Das ist besonders in Fällen von Kinderarbeit sehr wichtig. 1997 gab es in Vijayawada rund 7.000 Kinder unter 14 Jahren, die in der Industrie gearbeitet haben. Aktuell sind es nur noch 150. Der Druck auf die Arbeitgeber war also sehr groß. Alleine hätten wir das nicht geschafft! Unser Ziel sind zehn kinderfreundliche Städte. Das soll aber nur der Anfang sein: In zehn bis 15 Jahren sollen es 50 Städte sein.

Wie haben sie denn konkret die Kinderarbeit bekämpft?

Father Koshy: Wir sind Schritt für Schritt und beharrlich vorgegangen. Wir wollten die Arbeitgeber ja nicht überfordern. Am Anfang haben wir nur angeboten, dass die Kinderarbeiter ihre Mittagspause bei uns verbringen können. Wir haben ihnen dann ein wenig Milch und ein Ei gegeben. Dann im zweiten Schritt haben wir mit den Jungen und Mädchen Lesen und Schreiben geübt. Zum Schluss haben wir den Arbeitgebern vorgeschlagen, die Kinder zur Schule zu schicken. Das konnten sie schlecht ablehnen, da das Arbeitsministerium Kinderarbeit verboten hat. Schließlich haben wir die Kinderarbeiter in Brückenschulen unterrichtet, als Vorbereitung auf die Regelschulen. Jahr für Jahr haben wir das so gemacht! Die Automobilindustrie hat sich schließlich offiziell verpflichtet, keine Kinderarbeiter mehr zu beschäftigen. Das zeigt, wie stark und einflussreich das Forum für Kinderrechte ist.

Haben Sie weitere Kampagnen gestartet?

Father Koshy: Ja, wir haben eine Kampagne gegen die Ausbeutung von Kindern als Haushaltshilfen gestartet. Diese Kinder fallen meistens nicht auf, weil sie völlig zurückgezogen in den Häusern ihrer Arbeitgeber leben. Wir haben dann eine Art Spionagesystem entwickelt, um heurauszufinden, ob Kinder für Haushaltsdienste missbraucht werden. Da die Kinder meistens den Müll nach draußen bringen, haben wir vor Häusern in gut situierten Gegenden Mitarbeiter platziert. Die haben dann Kinder angesprochen, wenn sie den Müll nach draußen brachten. Sobald sich der Verdacht bestätigte, wurden Polizei, Medien und Sozialarbeiter informiert. Dann wurden die Familien aufgefordert, das Kind herauszugeben. Die meisten haben das sofort gemacht. Sie hatten große Angst, dass sich rumsprechen könnte, dass sie Kinder ausbeuten.

Was halten Sie von der Legalisierung der Kinderarbeit?

Father Koshy: Kinderarbeit ist ein massiver Verstoß gegen das Recht eines Kindes auf Entwicklung. Die meisten Kinderarbeiter gehen nicht zur Schule, obwohl in Indien für jedes Kind unter 14 Jahren Schulpflicht besteht. Wenn Mädchen und Jungen keinen Zugang zu Bildung haben, dann können sie sich auch nicht weiterentwickeln oder Wissen aneignen. In fast jeder indischen Stadt ist Kinderarbeit ein Problem. Der Staat ist hier in der Verantwortung! Er muss dafür zu sorgen, dass Kinder unter 14 Jahre die Schule besuchen. Kinderarbeit zu legalisieren, halte ich für den absolut falschen Weg. Das ist eine Verletzung der Kinderrechte.

In Indien haben sie jetzt gerade ein Gesetz verabschiedet, nach dem Kinder unter 14 Jahren in Familienbetrieben mitarbeiten dürfen. Das ist ein Versuch, Kinderarbeit durch die Hintertür zu legalisieren. Das Don Bosco National Forum for the Young at Risk hat dieses Gesetz bekämpft – aber leider ohne Erfolg. Das kann uns aber nicht stoppen. Wir werden so lange weitermachen bis das Gesetz wieder annulliert wird.

Das Interview führte Kirsten Prestin von unserer Partnerorganisation Don Bosco Mission Bonn.