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Schülerinnen der Don Bosco Schule in Gressier.
Schülerinnen der Don Bosco Schule in Gressier.
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Januar 2012: Zwei Jahre nach dem Erdbeben

Auszüge aus dem Reisebericht von Projektreferentin Claudia Moll, in Haiti vom 12.01. bis 26.01.2012.

Wunden des Bebens noch nicht geheilt – Neue Dynamik erkennbar

Claudia Moll im Straßenkinderprojekt Lakou in Port-au-Prince.
Claudia Moll im Straßenkinderprojekt Lakou in Port-au-Prince.

Auch wenn in Haiti die Wunden des Erdbebens noch lange nicht geheilt sind, so kann ich nach zweijähriger Beobachtung feststellen, dass sich viel tut. Nicht nur die privaten Träger und Hilfsorganisationen versuchen, das Land und Zivilgesellschaft aufzubauen, die Bevölkerung hofft nach wie vor auf den neuen Präsidenten Michel Martelly und seine Regierung. Das Land braucht neben der Hilfe aus dem Ausland vor allem Zeit, um die „Baustellen“ seien sie architektonischer, politischer oder sozialer Natur Stück für Stück aufzulösen. Aber wie schon das kreolische Sprichwort sagt: „Piti, piti wazo fe nich li“ – "Nach und nach baut der Vogel sich sein Nest!"

Stand unserer aktuellen Projekte in Haiti

Während meines Aufenthaltes konnte ich mir ein Bild von den aktuellen Projekten machen, die aufgrund der großzügigen Unterstützung unserer Spender über Don Bosco Mondo und Don Bosco Mission in Bonn gefördert werden konnten. Hier eine Auswahl der aktuellen, größeren Projekte:

Grund- und Sekundarschule sowie Internat Gressier

Das erste Wiederaufbauprojekt der Salesianer in Haiti, das aus Bonn beworben wurde und für das sich eine Vielzahl von Spendern engagiert hat, ist die Wiederherstellung der Grund- und Sekundarschule in Gressier.  Der Ort liegt 25 km südwestlich von Port-au-Prince entfernt direkt am Meer. Die Salesianer Don Boscos besitzen hier ein Gelände von 50h Größe auf dem vormals eine Grund- und Sekundarschule stand, die durch das Erdbeben fast komplett zerstört wurde.

In einer Rekord-Bauzeit von nur 10 Monaten ist hier seit Februar 2011 nicht nur eine Grund- und Sekundarschule entstanden sondern auch ein College (Klassen 11-13) sowie ein Internat für 80 Schüler. Eine Woche vor meinem Besuch konnten 350 überglückliche Schüler von den Zelten und provisorischen Holzklassenräumen in das gerade fertig gestellte neue Schulgebäude umziehen. Nachdem die spanische Königin Sofía im Oktober 2011 das Schulzentrum besuchte (die Spanische Entwicklungszusammenarbeit finanzierte das College), wird die offizielle Einweihungsfeier im März 2012 stattfinden, obgleich der Unterricht schon im neuen Gebäude stattfindet.

Das Werk der Kleinen Schulen (OPEPB)

Ein Lichtblick in der Trostlosigkeit der Slums von La Saline und Cité Soleil sind die Kleinen Schulen von OPEPB, die den Kindern eine Grundschulbildung ermöglichen und in manchen Fällen sogar einen Platz zum Spielen anbieten. Es gibt inzwischen fünf große von den Salesianern geführte Schulzentren in den Slums von Port-au-Prince. Vor dem Erdbeben zählten 132 kleine Schulen zu OPEPB (œuvre des petites écoles du Pere Bohnen), die sich im Einzugsbereich dieser fünf großen Schulen befinden. Die kleinen Schulen, die sich in Trägerschaft der Schuldirektoren befinden, haben im Durchschnitt 2-3 Klassenzimmer. Nach der Grundschulausbildung können die Schüler in die weiterführenden Schulen der Salesianer wechseln. Danach besteht die Möglichkeit, eine Berufsausbildung in verschiedenen Bereichen zu absolvieren.

Die Kleinen Schulen in den Slums wurden durch das Erdbeben in unterschiedlichem Grad beschädigt. Einige wurden fast komplett zerstört, bei anderen waren nur einige Reparaturmaßnahmen nötig.  Aufgrund zahlreicher Spenden konnten über Don Bosco Mondo und Don Bosco Mission im letzten Jahr umfangreiche Reparatur-/ Wiederaufbauarbeiten an insg. 28 Kleinen Schulen vorgenommen werden. Im Einzelfall bestanden die konkreten Maßnahmen aus Dacherneuerungen, Bau neuer Wände, Installation von Trinkwasserzugang, Sanitäranlagen sowie die Bereitstellung von neuem Mobiliar, welches großenteils in der Berufsschule der Salesianer, in ENAM hergestellt wurde

Straßenkinderzentrum Lakou/Lakay in Port-au-Prince und Cap Haïtien

P. Pierre Lephéne SDB, Direktor von Lakay, möchte das Angebot der Berufsausbildung von Lakay in diesem Jahr erweitern. Das Gelände hinter den bereits bestehenden Werkstätten soll dazu genutzt werden. Dort werden sechs neue Werkstätten entstehen. Nach Fertigstellung der neuen Werkstätten findet die Ausbildung in dem neuen Gebäude statt, die alten Werkstätten werden als Lagerraum, Studienraum sowie Besucherzimmer genutzt. Zusätzlich zum bestehenden Angebot sollen Ausbildungsgänge in Maurerhandwerk und Klempnerei angeboten werden.

Was P. Lephène Kopfzerbrechen bereitet ist die Sorge um die Finanzierung der laufenden Kosten des Zentrums. Da CORDAID aus den Niederlanden die jahrelange Unterstützung in diesem Jahr einstellt, weiß er nicht, wie er für „seine“ knapp 150 Jungs die notwendigen Gelder für Unterbringen, Versorgung und Ausbildung aufbringen soll.

Pater Stra im Ausbildungszentrum in Cap Haitien.
Pater Stra im Ausbildungszentrum in Cap Haitien.

In Cap Haitien, dem neuen Standort von Pater Atillo Stra SDB sind die Räumlichkeiten von Lakay sehr beengt. In einem winzigen Haus beherbergen P. Stra und sein Team 35 Jungen ab 14 Jahren. Bis vor kurzem musste hier alles stattfinden. Glücklicherweise konnte im Frühjahr 2011 ein geräumiges Haus angemietet werden, das genug Platz und Spielfläche bietet. Hier ist nun der Hof „Lakou“ untergebracht. Auch hier finden die Kinder einen sicheren Schlafplatz, werden pädagogisch betreut und bekommen eine warme Mahlzeit am Tag. Das Haus und geschützte Gelände sind ein Lichtblick in der sonst so rauen Welt auf der Straße.

Mit Geldern aus Bonn konnte ein Anbau erfolgen, in dem nun drei Werkstätten für die Jungen der dritten Stufe „Lakay“ eingerichtet wurden (Schreinerei, Elektrik, Schweißen/Mechanik).

Download des ganzen Berichts

Laden Sie sich hier den ganzen Reisebericht von Projektreferentin Claudia Moll als pdf-Datei herunter.