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Ein Jahr nach dem Erdbeben in Haiti - „Der Wiederaufbau muss in den Köpfen statt finden“

Ein Jahr nach dem Erdbeben auf Haiti fällt die Bilanz des Wiederaufbaus allenfalls nüchtern aus, so Jean Paul Muller SDB,  Vorstandsmitglied von Don Bosco Mondo. Immer noch leben tausende Menschen in erbärmlichen improvisierten Zeltstädten. Das Stadtbild von Port au Prince gleicht vielerorts noch einem Trümmerfeld und Bauaktivitäten sind kaum zu erkennen. Dazu kommen knapp 3000 offizielle Choleratote, die der Karibikstaat seit Oktober zu beklagen hat. Don Bosco Pater Olibrice Zucchi SDB, der im größten Slum der Hauptstadt (Cite Soleil) mehrere Grundschulzentren betreut findet nur wenig Anlass für Optimismus. Immer wieder verzögere sich durch gestohlene Baumaterialien der Bau seiner neuen Schule und gut ausgebildete Handwerker seien schwer zu finden. Der Beton wird von Hand gemischt, Kräne und Bulldozer seien viel zu teuer oder über Jahre ausgebucht. Der notwendige Abriss vieler Häuser erfolgt von Hand. Inzwischen ist das Preisniveau hier ähnlich hoch wie das, eines Industrielandes. Dazu kommen Korruption und die schlechte Sicherheitslage. Umso wichtiger ist für Zucchi die Bildungsarbeit, die seine Ordensgemeinschaft seit über 60 Jahren auf Haiti verfolgt. Nur mit konsequenter Erziehungsarbeit lasse sich der notwendige Mentalitätswandel erreichen.

Auch die seit vielen Jahren in Haiti lebende deutsche Ärztin Dr. Barbara Höfler fordert einen Wandel in den Köpfen. Ein gutes Beispiel dafür seien die Flüchtlingslager in der Stadt, die die Bürger zur Passivität erziehen. „Während die Menschen in den Slums selbst für schäbigste Wellblechhütten noch Miete bezahlen und sich täglich um Wasser und Nahrung kümmern müssen, werden die Lagerinsassen notdürftig versorgt und verharren in Untätigkeit. Sie fordern Hilfe von der Nicht-existenten Regierung, anstatt sich selber um ihr Überleben zu kümmern.“

Hoffnung in die Politik haben nur wenig Haitianer nach dem Wahlchaos von November. Die Stichwahl zwischen den verbliebenen Kandidaten Jude Celestin und Mirlande Manigat wird frühestens Ende Februar stattfinden, wahrscheinlicher ist aber eine erneute Verzögerung. Der Erzbischof Louis Kebreau SDB von Cap Haitien und Vorsitzender der haitianischen Bischofskonferenz wirft der Regierung vor, versagt zu haben: „Diese Regierung hat kein Gesellschaftskonzept und keine Vision für Haitis Zukunft. Nach dem Beben kam der Zyklon, dann die Cholera und dann die missglückte Wahl. Die Leute sind müde und frustriert.“

Präsidentschaftswahlen in Haiti

Jackson Nozil, Copyright www.mesli.de

Fast 11 Monate nach dem verheerenden Erdbeben fanden in Haiti am 28.11. Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Chaos, Manipulation und massive Proteste begleiteten die Wahl.

Für die Salesianer Don Boscos und ihre Mitarbeiter ist das nichts Neues. „Alle Wahlen verlaufen in Haiti ungeordnet und chaotisch. Ich hatte nichts anderes erwartet“, so Jackson Nozil, Mitarbeiter im Projektbüro der Salesianer in Port-au-Prince, der am Sonntag als Wahlhelfer für einen Abgeordneten der Opposition tätig war. Er besuchte 230 Wahlbüros, um zu überprüfen, ob alles rechtmäßig und ohne Wahlbetrug vor sich geht.

 

 

Schon zwischen sechs und neun Uhr morgens hätten Anhänger von Jude Celestin, dem Schwiegersohn des amtierenden Präsidenten Préval, zahlreiche Wahlbüros besetzt und Stimmzettel für ihren Kandidaten ausgefüllt. Dies habe zu massiven Protesten geführt, so dass die Straßen ab acht Uhr morgens von zahlreichen Demonstranten blockiert gewesen seien.

Um selbst seine Stimme abzugeben, reihte Nozil sich in die Warteschlangen von drei verschiedenen Wahllokalen ein, aber sein Name stand auf keiner der Listen. Wie Nozil, so erging es am Sonntag zehntausenden Haitianern, deren Name auf keiner Wählerliste zu finden war. Gegen 11 Uhr vormittags habe die Regierung aufgrund massiver Proteste der Bevölkerung die Regelung gelockert, sodass jeder Wahlberechtigte in jedem Wahllokal wählen durfte. „Das wiederum löste das nächste Chaos aus“, so Nozil.

Laut seiner Einschätzung werden die Proteste und Demonstrationen noch weitergehen, bis das vorläufige Ergebnis, das am 05. Dezember erwartet wird, bekanntgegeben wird.

 

Die Schulen im ganzen Land, darunter auch alle Don Bosco Schulen blieben am Montag nach der Wahl geschlossen. „Auch das ist nichts außergewöhnliches“, erklärt Nozil, „Traditionell ist der erste Tag nach der Wahl unterrichtsfrei“. Sollten sich die Aufstände über einen längeren Zeitraum hinziehen, so dass der Personentransport nicht mehr möglich sei und die Sicherheitslage sich weiter zuspitze, könnte der Unterricht in den Don Bosco Einrichtungen möglicherweise länger beeinträchtigt werden.

 

Die Salesianer Don Boscos zeigen sich dennoch zuversichtlich. Einmal mehr werde die Bedeutung ihres Bildungsauftrags gerade für benachteiligte junge Menschen deutlich. „Um wirkliche Veränderungen und Fortschritte in dem krisengebeutelten Land zu ermöglichen, müssen wir weit in die Zukunft denken. Wenn heute junge Menschen in Haiti eine solide schulische und berufliche Ausbildung bekommen, die Sozialkompetenz und Verantwortung einen besonderen Wert zuschreibt, dann sind sie langfristig in der Lage, nicht nur Protagonisten ihrer eigenen Entwicklung, sondern auch der ihrer Gesellschaft zu sein“, so Jean Paul Muller, Leiter von Don Bosco Bonn, „deshalb ist unser Engagement für Kinder und Jugendliche in Haiti nicht nur in Katastrophensituationen notwendig.“

 

Seit 75 Jahren sind die Salesianer Don Boscos in Haiti tätig. Ihre Straßenkinderzentren, Schulen und Berufsbildungszentren für junge Menschen aus den Armenvierteln in Port-au-Prince wurden bei dem Erdbeben im Januar dieses Jahres größtenteils zerstört. In allen Einrichtungen läuft seit einigen Monaten wieder der Schul- und Ausbildungsbetrieb in Zelten und provisorischen Unterkünften, während der Wiederaufbau beginnt.

Die Cholera greift um sich

Laut den neusten, offiziellen Meldungen hat die Cholera- Epidemie, welche am 20 Oktober auf Haiti ausbrach, mittlerweile 900 Leben gekostet. Weitere 10.000 Menschen erkrankten.

Die Salesianer versuchen mit allen Mitteln die Epidemie zu bekämpfen, indem sie verstärkt den Menschen in den ärmsten Regionen helfen, welche besonders gefährdet sind.

Alle Schülerinnen und Schüler der Don Bosco Schulen erhalten die Anweisung, sich die Hände zu waschen, bevor sie ihr tägliches Brötchen und etwas Milch zum Frühstück bekommen.

Fr. Sylvain Ducange, der leitende Salesianer auf Haiti, sagt: “Die Salesianische Gemeinschaft auf Haiti ist in Alarmbereitschaft und jederzeit bereit einzugreifen, wenn es notwendig sein sollte."

Bruder Hubert Mesidor SDB, welcher ein Aufklärungsprogramm im Radio Soleil, der Radio Station der katholischen Kirche auf Haiti, anbietet, opfert so viel Zeit seiner Sendung wie möglich, um die Menschen über präventive Maßnahmen und die Wichtigkeit immer und Überall die Hygiene einzuhalten, aufzuklären.

Zu den bereits prekären Lebensbedingungen, aufgrund des zerstörerischen Erdbebens vom 12 Januar, kommt nun auch noch die Angst, sich mit Cholera zu infizieren. Eine Krankheit, welche fast ein Jahrhundert lang auf Haiti so gut wie ausgestorben war.Die Vorurteile, welche diese Krankheit unter den Menschen verbreitet, sind schlimmer, als die Krankheit selbst. Die Menschen haben Angst, da sie nicht wissen, was Cholera genau ist und neigen deshalb dazu, Infizierte zu isolieren.

Die Regierung nutzt die Medien, um die notwenigen Hygieneregeln und Maßnahmen zur Vorbeugung zu verbreiten. In den nächsten Tagen könnte sich, aufgrund der Müllmassen auf fast allen Straßen der Hauptstadt, die Lage verschlimmern und die Krankheit in ganz Port- au- Prince ausbrechen.

Neun Monate nach dem Erdbeben

Unsere Mitarbeiterin Claudia Moll hat zum zweiten Mal nach dem Erdbeben unsere Don Bosco Partner in Haiti besucht. Hier finden Sie ihren Bericht, in dem sie von der Situation in den Flüchtlingslagern und Schulen erzählt:

 

 

„Piti piti wazo fe nich li“ -                                                                                              Langsam und Stück für Stück baut der Vogel sich sein Nest

Dieses kreolische Sprichwort symbolisiert in treffender Weise die Lage Haiti´s nach dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010. Bei meinem zweiten Besuch neun Monate nach dem Beben ist von dem erhofften Wiederaufbau der Hauptstadt Port-au-Prince (PaP) und den umliegenden betroffenen Gebieten nicht viel zu sehen. Wie auch im April bei meinem ersten Besuch, ist der Großteil der Trümmer nach wie vor nicht weggeschafft. Selbst den Präsidentenpalast im Zentrum der Stadt findet man noch immer eingestürzt und ohne nennenswerte Aufräumarbeiten. Dennoch sind kleinere Räumungsarbeiten im Gange. Ich sehe wesentlich mehr großes Räumgerät auf den Straßen als im April und auch sieht man viele Trupps von Haitianern in verschieden farbigen T-Shirts gekleidet, die am „Cash for Work“-Programm der UN teilnehmen. Für ein paar Dollar am Tag werden sie an den Räumarbeiten beteiligt.

Der Verkehr in Port-au-Prince ist unbeschreiblich chaotisch. Für 25km vom Hauptsitz der Salesianer in PaP in die nahe gelegene Stadt Gressier brauchen wir mehr als drei Stunden. Katastrophale Straßenverhältnisse, bis 50cm tief klaffende Löcher im Asphalt, eine nicht durchgängig asphaltierte Decke, meterhohe Müllberge oder Schlammmassen sowie die eigensinnige Fahrweise der Haitianer behindern einen funktionierenden und reibungslosen Straßenverkehr.

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Vom 12. bis zum 15. Februar 2010 besuchte Don Pascual die Salesianer-Einrichtungen, die vom Erdbeben betroffen sind. Darunter Schulen und Kinderheime, aber auch die zerstörte Kathedrale. Im Flüchtlingslager besprach er die Situation mit anderen Hilfsorganisationen und leitete noch von Haiti aus weitere Schritte für Hilfsmaßnahmen ein.

Ordensleitung zu Besuch in Haiti